Kevin Mahogany – ein großer Jazzinterpret, besonders unplugged !

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Köln – Es war der 4. Februar im Alten Pfandhaus: Es spielte „GENTLEMEN SWING“ mit Kevin Mahogany, vocals, Thomas Rückert, piano,
Henning Galling, contrabass, Jost van Schalk, drums

Kevin Mahogany

Ich bin ein Bewunderer des großartigen Jazzsängers Kevin Mahogany, und besitze die meisten seiner wunderbaren CDs. Als das Konzert begann, war ich eine kurze Zeit lang überrascht, weil ich zunächst nicht seine machtvolle, den Raum völlig einnehmende Stimme hörte, die ich erwartete. Sehr ruhig, zurückgenommen, fast leise startete er sein Konzert im Alten Pfandhaus. Softig-solide swingend, scattend und sehr relaxed und freundlich in die Runde schauend, brachte der fünfzigjährige Sänger aus Kansas City seine Eingangsnummer. Die Wärme seines Baritons breitete sich einnehmend in den Tiefen aus. Äußert sparsam verlieh er zunächst seiner Stimme nur Spuren der Kraft – die man schon vermutet, wenn man seine stämmige, schwere Statur betrachtet.

Möglicherweise hatte er auch im Sinn, sein Publikum für den harmonischen, stark nuancierten Klang seiner Stimme und seiner drei Musiker zu sensibilisieren. Die Klangakustik war „natürlich“, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Überwiegend behielt er während des gesamten Konzertes diesen Sound und Stil seines Singens bei „“ und das war gut so. Wo häufig in Konzerten die Lautstärke „aufgedreht“ wird, drehte Kevin Mahogany ab und zwang die Zuhörer auf die Schönheit der zarten, leisen Töne und all ihre Schattierungen zu hören.

Kevin Mahogany Pfandhaus Bühne

Konträr dazu beeindruckte dann besonders, wenn er gegen Ende eines Songs seine dunkle Stimme dynamisch anhob, den Ton lange anhielt, um ihn dann später immer leiser werdend und seidenweich im Irgendwo ausklingen zu lassen. Hier war er auch ein fantastischer Stimmtechniker, der sich genauestens über jede noch so kleinste Nuance seiner Stimme und dessen Wirkung bewusst war.

Kevin Mahogany ist dabei ein äußerst vielseitiger Sänger. Balladen, Scat, Blues und auch Soul gelingen ihm gleichermaßen gut und mit diesem musikalischen Programm des klassischen modernen Jazzgesangs war er auch in diesem Konzert präsent. Eine stringente Besonderheit ist allerdings doch sein seidenweicher Bariton im Balladengesang. Bei Songs wie “ My foolish heart“ oder My one and only love“ ist der samtene Klang und die sanfte Schwärze seiner Stimme unvergleichlich. Mit noch mehr Empfindungsfähigkeit kann man diese Songs kaum singen.

Jazz unplugged unglaublich gut

„In the evening, when the sun goes down“ war dann der kraftvolle Bluesfetzer, in dem endlich Kevins großes Volumen „den Raum füllte“. Gelegentlich legte Mahogany sein Mikrophon zur Seite, und sang dann weiter ohne jede Verstärkung. Und seine Stimme konnte sich gut hören lassen – im Einklang mit Piano, Bass und einem starken Schlagzeug. In der Pause sprach ich kurz mit dem Toningenieur. Dieser sagte mir, dass auch alle Musiker ohne jede Verstärkung spielten. Jedes Instrument war rein akustisch und nicht verkabbelt, was bei Konzerten fast nur in der Klassik anzutreffen ist! Das war nun wirklich total „unplugged“ und Mahoganys Stimme überzeugte mit dieser Könnerschaft und Klangschönheit in der technisch völligen Unverfälschtheit fast noch mehr als mit dem Mikro verstärkt.

Allerdings war auch das Mikro so leicht eingestellt, dass hauptsächlich nur Mahoganys sehr leise, dunkle Töne bei den ruhigen Songs etwas verstärkt wurden und somit mehr Tiefe und Klangfülle bekamen. Immer wieder war zu spüren und wurde deutlich, dass Kevin Mahogany ein Künstler ist, der sängerische Effekte vermeidet. Mit seiner Stimme hätte er an diesem Abend vielleicht mehr machen können, sich zum Beispiel mehr in „Zeug legen“.

Eine einfühlsame Stimme mit toller Band
Eine einfühlsame Stimme mit toller Band

Aber sein Gesang blieb geradlinig, musikalisch angemessen und unbeirrbar jazz-souverän. Er brachte fantastischen Scat ohne ihn zur „Tour de force“ ausufern zu lassen. Zu sagen, dass er etwas „understatement-mäßig“ singt, wäre falsch. Intellektuelle Sänger kalkulieren bisweilen gerne mit „Understatement, aber dazu ist Kevin Mahogany viel zu natürlich. Mahogany ruht in sich und seiner Musik. Darauf konnte man vertrauen und es war ein großer Genuss ihm zuzuhören.

Als Person amüsierte Mahogany auch mit seinem Humor. Er ließ seinen Musikern viel Freiraum für Soli. Bassist Henning Galling zupfte seinen Bass während seines Solos mit großer Hingabe und angespannter Mimik. Kevin schaute ihn eine Weile besorgt an, um ihm dann mit einem weißen Tüchlein frische Luft zuzufächeln. Das kam gut an, alle lachten.

Pianist Thomas Rückert beeindruckte besonders mit seiner kammermusikalischen Brillanz bei den leisen Songs. Extrem nach vorne gebeugt, den Kopf versunken auf Tastatur-Höhe spielte er mit größtmöglicher Einfühlung. Drummer Jost van Schalks auffälligstes Merkmal war die Kunst des zunächst verhaltenen, aber spannungsgeladenen Heranpirschens der Beckenschläge. Mit großer Beschleunigung trommelte er sich dann zum musikalischen Höhepunkt, der sich in explosionsartigen Schlägen lautstark entlud.

Mit einem stark swingenden Titel verabschiedete sich Mahogany, und stellte dabei seine Musiker vor. Nach einer Zugabe hielt der Applaus weiter an. Da kam Kevin zurück in den Konzertsaal, aber ohne Musiker. Er sang dann eine traumhafte Version des melancholisch-romantischen „When I fall in love“ und zwar a capella.

Jazz ohne Kabel unplugged
Pfandhaus Jazz ohne Kabel unplugged

Als CD-Tipp würde ich von seinen ca. zehn CDs besonders diese zwei Aufnahmen empfehlen:
Kevin Mahogany: My Romance . (1998)
Ein eher ruhiges Balladenalbum mit kleiner Besetzung, u.a. mit Michael Brecker .

Kevin Mahogany: Big Band (2005)
Die andere Seite von Kevin: Dynamisch gesungen mit vollem Big Band Sound.
Zitat: New York Times: “ Nature unleashes a gale force voice!“

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