„Take 6“ -Vokale Kunst und Lebensfreude

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Zwei Eigenschaften stehen an oberster Stelle, wenn man von „Take 6“ spricht: Ihre technische Meisterschaft des „instrumentalen“ Singens und ihre Lebensfreude. Beides zelebrieren sie mit einer frappierenden Ursprünglichkeit die automatisch und begeisternd beim Publikum widerhallt. Bei ihrem Konzert im „Alten Pfandhaus“ lies man sich nur zu gern davon überzeugen.
Vokale Kunst und Lebensfreude

Take 6
Take 6 in Köln

Als ich meine CDs von „Take 6“ durchschaute, war ich erstaunt, dass ihr erstes Album bereits von 1988 ist. Kaum zu glauben, so schnell vergehen zwanzig Jahre. Nur ein Sänger, Mervyn Warren, wurde bisher ausgetauscht. Die heutige Formation besteht aus: Cedric Dent, Claude McKnight, Joey Kibble, David Thomas, Alvin Chea, und Mark Kibble. Ihr zwölftes Werk „The Standard“ ist gerade erschienen und dessen Vorstellung ist der Anlass für ihre aktuelle Konzerttournee. Die Premiere war am 20. Oktober 2008 im Alten Pfandhaus, Köln.
Seit der Frühzeit des Jazz und auch des „Schlagers“ gibt es Vocal-Groups: z. b. The Andrew Sisters, The Mills Brothers, The Ink Spots, The Skylarks, The For Freshman und die „Hi-Lo“™s“ aus den 30s, 40s & 50s hatten große Erfolge mit Broadway „“und jazzarrangierten Songs. Sammy Davis bezeichnete mal die „Hi „“Los“™s als “ A musical thrill“. Die grandiosen Lambert, Hendricks & Ross, bzw. Bavan, auch aus den 50s and 60s, widmeten sich ausnahmslos dem reinen Jazz. „The Singers Unlimited“ formierten sich 1967 und beeindruckten auch Oscar Peterson, der mit ihnen ein Album aufnahm. Die inzwischen weltweit populärste und erfolgreichste Jazz-Vocal-Group „The Manhattan Transfer“ wurde 1975 gegründet. Eine vergleichbar jazzversierte Formation entstand in den 90s; sie nennen sich „New York Voices“, und hatten auch im Alten Pfandhaus bereits einen mitreißenden Auftritt.

„Take 6″ jedoch nehmen eine Sonderstellung unter den Vocal Goups ein. Die sechs farbigen Sänger sind bis heute die “ jazzigsten- experimetierfreudigsten-schrägsten“, und nicht zuletzt fröhlichsten Vertreter solcher Formationen. Ihre Auftritte und CDs entwickeln und dokumentieren eine neue, fulminante Qualität unter den Vocal-Groups. Man stelle sich einige der größten und besten Sänger des Jazz vor, aber besonders: Al Jarreau, George Benson, Bobby McFerrin, Jon Hendricks, Mark Murphy : Man nehme die Essenz von diesen Sängern und verteile sie zunächst auf „Take 6“, womit man erst am Anfang mit der Beschreibung ihrer unglaublichen musikalischen Potenz wäre. Natürlich imitieren sie keinen einzigen dieser Sänger, ( was ihnen mit Leichtigkeit gelänge).

Live im Pfandhaus
Live im "Altes Pfandhaus"

„Take 6“ kommen ohne Instrumente aus, denn ihre Stimmen setzen sie wie Instrumente ein. Zwar lassen sie sich auf wenigen CDs auch mal sparsam von herkömmlichen Instrumenten begleiten, ihr Markenzeichen aber ist der A-Capella-Gesang. Vom Bass bis über Saxophon, Trompete, Posaune, Schlagzeug und Percussions „“ sie haben alles drauf, und man müsste schon lange suchen um etwas zu finden, was sie nicht mit ihren Stimmen können.

Gospel, aktueller Hip-Hop, Rap, Pop, Rhythm & Blues, Soul, Scat, und Balladen, werden mit ihrer unvergleichlichen Stimmband-Akrobatik und sauberster Intonation auf ebenso kunstvolle wie selbstverständliche Weise verbunden. Acht Grammie“™s hat das Ausnahme-Sextett inzwischen eingefahren, und zwar in den Kategorien: Jazz, Gospel, Soul und Rhythm & Blues.

Dynamischer Auftritt

So macht Jazz  Spass
Jazz Soul und Gospel Hautnah

Ihr häufig überbordender Auftritt im Alten Pfandhaus überzeugte sofort von dieser ungewöhnlichen, vokalen Meisterschaft. Von Beginn an zeigten „Take 6“ keinerlei Berührungsängste. Sie stürmten in den Konzertsaal und liefen Ihre Runde ums Publikum, wieder und wieder Hände schüttelnd und lachend. Lebhaft, mit Tanzeinlagen oder „körperlichen Verzückungen“ starteten sie ein sängerisch differenziertes Crossover-Programm mit den Schwerpunkten: Jazz, Gospel, Soul.

Zwischen den Songs inszenierten sie viele humoristisch-musikalische Intermezzi untereinander. Dem Publikum widmeten sie sich besonders durch ständige Einbeziehung in ihre Songs. So wurde die Aufforderung zum heftigen Klatschen bei den “ funkigen“ Stücken ohne Zögern befolgt. Ein Stevie-Wonder-Song zündete da besonders! Natürlich diente auch das Nachsingen“ von eher einfach gehaltenen Tonfolgen der Kontaktverstärkung mit den sechs Künstlern und erhöhte den Spassfaktor. Abgesehen von einigen ruhigeren Songs, funkte, soulte und groovte es ohne Pause…..

Bekannte Songs aus dem neuen Album „The Standard“ waren manchmal nur schwer in den neuen, improvisationsfreudigen und ideenreichen Bearbeitungen wiederzuerkennen. Wer die Legrand-Komposition „Windmills Of Your Mind“, (berühmt geworden durch die Dusty Springfield Version) als zwar schönes aber eher harmloses Lied kennt, kam bei dieser Version aus dem Staunen nicht heraus. In fast schon „sakraler Schönheit“ und erlesen im Vortrag, erstrahlte die bekannte Melodie. Auch die Stücke „Sweet Georgia Brown“ oder „Seven Steps To Heaven“ zeigten in kühnen rhythmischen Veränderungen, dass „Take 6“ in intelligenter und heiterer Weise modernste Harmonien mit kommerziellen Klängen und musikalischer Eleganz zu verbinden wissen.

Alle Fotos Copyright Matrisch
Fotos Copyright by Werner Matrisch

Vielleicht noch beindruckender als der vollendete Ensemblesound von „Take 6“ tönten die fragilen bis furiosen Gesangsexkursionen ihrer Solostimmen. Besonders die Brüder Joey und Mark Kibble lieferten sich gegen Ende des Konzerts ein unvergessliches und ekstatisches Duell. In Scat -und Gospelkaskaden steigerten sie sich, nicht ohne Witz und Schalk, abwechselnd bis zum gutturalem Urschrei.

„Take 6“, deren musikalische Grundfarbe trotz allem spielerischen Beiwerk tiefschwarz ist, bleiben wohl vorläufig an der Spitze der Vocal-Groups

( c) Werner Matrisch, Köln , Oktober 2008

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Die JAZZ CD/DVD- und Konzert Rezensionen von Werner Matrisch sind ein besonderes schöne Rubrik. Jazzie traf den Kölner Maler und Künstler Werner Matrisch "Homepage WernerMatrisch" bei einer Vernissage. Wir kamen ins Gespräch und entdeckten, das wir nicht nur eine gemeinsame Leidenschaft, die Malerei haben, sondern auch dem Jazz sehr zugetan sind.