Köln – Fünf Tage nach dem rauschenden Pokalabend gegen Union Berlin durfte der FC erneut gegen die Eisernen ran. Diesmal allerdings nicht unter dem Flutlicht von Müngersdorf, sondern an der Alten Försterei. Und wer nach dem 5:0 im DFB-Pokal geglaubt hatte, der FC würde den Berlinern gleich noch eine zweite Lektion erteilen, musste sich ziemlich schnell mit der Realität der Bundesliga beschäftigen.
Zwischen Pokalrausch und Ligaalltag liegen manchmal Welten.
Oder in diesem Fall: ein ziemlich langer Sonntagnachmittag. Der FC kam in Köpenick nur schwer in die Partie. Union begann entschlossener, presste früh und zeigte, dass man die Pokalpleite nicht einfach mit einem Schulterzucken abgehakt hatte. Bereits nach zehn Minuten klingelte es im Kölner Kasten. Tim Skarke setzte sich an der Grundlinie durch, legte zurück und Tim Haberer musste nur noch einschieben. 1:0 für Union.Köln schaute zunächst etwas überrascht aus der Wäsche. Man könnte auch sagen: Der Pokalabend war offenbar noch nicht vollständig aus den Köpfen verschwunden. Nur spielte diesmal keiner mit, der sich freiwillig fünf Tore einschenken lassen wollte.
Viel Ballbesitz, wenig Fußballglück
Was danach folgte, war über weite Strecken eine eher zähe Angelegenheit. Der FC hatte durchaus Ballbesitz, schob den Ball hin und her und suchte nach einer Idee. Nur wollte sich diese Idee partout nicht einstellen.
Linton Maina wurde zwar zweimal in die Tiefe geschickt, doch einmal wollte der Ball nicht so recht mitspielen, das andere Mal war die Abseitsfahne schneller. Wirklich gefährlich wurde es selten. Union musste nach der Führung auch nicht unbedingt große Fußballkunst veranstalten und konzentrierte sich lieber darauf, den Kölnern das Leben schwer zu machen.Kurz vor der Pause hätte es sogar noch schlimmer kommen können. Burcu zog ab, Marvin Schwäbe bekam gerade noch die Finger beziehungsweise den Arm an den Ball und lenkte ihn an die Latte. Da durfte man als FC-Fan durchaus einmal tief durchatmen.
Nach der Pause änderte sich am Gesamtbild zunächst wenig. Köln kontrollierte das Geschehen, Union verteidigte, und die Zuschauer bekamen eine Begegnung serviert, die man freundlich als schwere Fußballkost bezeichnen könnte. Wer an diesem Nachmittag einen zweiten Pokalkracher erwartet hatte, musste seine Ansprüche erheblich nach unten korrigieren.Es fehlten Tempo, Überraschungsmomente und vor allem die zündenden Ideen. Der FC spielte, Union stand. Und irgendwo dazwischen suchte man vergeblich nach einem vernünftigen Abschluss.
El Mala – ein Bruder macht sein Bundesligadebüt zum Erlebnis
Dann kam die 72. Minute. Malek El Mala durfte erstmals Bundesligaluft schnuppern. Ein besonderes Ereignis, das sich wenig später als der entscheidende Moment des Nachmittags herausstellen sollte.Zunächst vergab Said El Mala noch eine gute Möglichkeit nach einer Ecke. Der Ball flog über den Querbalken, und man fragte sich kurz, ob die Kölner heute eigentlich vorhatten, das Tor auch einmal richtig zu treffen.Doch dann kam die 79. Minute.Said El Mala brachte den Ball in den Strafraum, die Kugel rutschte bis zum zweiten Pfosten durch und dort stand Malek. Keine große Diskussion, kein langes Überlegen – rein damit! 1:1.
Bundesligadebüt und gleich das erste Tor. Das muss man erst einmal hinbekommen. Während andere Spieler für ihren ersten Treffer mehrere Spieltage benötigen, erledigt Malek El Mala die Sache praktisch nebenbei. Und der große Bruder durfte sich gleich als Vorlagengeber und erster Gratulant feiern lassen.Ein schöner Moment in einer ansonsten eher überschaubaren Fußballveranstaltung.
Am Ende war sogar noch ein Sieg drin
Nach dem Ausgleich wurde es tatsächlich noch einmal interessant. Union musste seine defensive Komfortzone verlassen, der FC witterte plötzlich mehr als nur einen Punkt. Köln drückte in der Schlussphase und kam dem möglichen Siegtreffer näher. Joel Schmied und Tom Krauß versuchten es aus der Distanz, Mikey Moore hatte kurz vor Schluss noch eine gute Möglichkeit, wurde aber im entscheidenden Moment geblockt. So blieb es beim 1:1. Ein Ergebnis, mit dem man leben kann, das aber auch nicht unbedingt für Freudensprünge sorgen muss.
Pokalrausch vorbei, Bundesliga-Alltag zurück
Man muss die Dinge wohl ein wenig auseinanderhalten. Der 5:0-Pokalsieg war ein großartiger Abend, die Partie an der Alten Försterei dagegen ein ziemlich mühsamer Pflichttermin. Union wollte Wiedergutmachung, der FC fand lange Zeit kaum Mittel gegen die Berliner Defensive. Immerhin hat die Mannschaft Moral bewiesen und sich nach dem frühen Rückstand zurückgekämpft. Dass ausgerechnet der Bundesliga-Debütant Malek El Mala den Punkt rettete, ist eine schöne Geschichte und dürfte der Familie El Mala noch einige Gesprächsstunden bescheren.
Trotzdem bleibt die Erkenntnis: Ballbesitz allein gewinnt keine Spiele. Und wer nach einem 5:0 im Pokal glaubt, dass der nächste Auftritt automatisch ein Fußballfest wird, sollte vielleicht gelegentlich einen Blick auf den Bundesliga-Spielplan werfen. Der FC nimmt einen Punkt aus Köpenick mit. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und manchmal ist das eben die Kunst an solchen Nachmittagen: Erst einmal nicht verlieren, wenn einem spielerisch nicht besonders viel einfällt. Jetzt wartet das Heimspiel gegen Bayer Leverkusen auf uns. Da darf es dann gerne wieder etwas mehr sein als gepflegtes Ballgeschiebe und die Hoffnung auf einen El Mala-Moment. Ich freue mich wenn es wieder heißt: Come on, Effzeh!
So standen die Teams in Berlin an der alten Försterei auf dem Rasen
1. FC Köln : Schwäbe – Sebulonsen (61. Castro-Montes), Schmied, Simpson-Pusey, Sosa – Krauß, Okon-Engstler – Maina (72. M. El Mala), Johannesson (61. Moore) – Bülter, S. El Mala
1. FC Union Berlin: Rönnow – Haberer, van den Bosch, M. Friedrich, Köhn – R. Khedira, Schäfer, Aebischer, Imeri, Burcu – Skarke
Tore: 1:0 Haberer (10.), 1:1 M. El Mala (79.)







































































