Köln- Es gibt diese Pokalabende, an denen man hinterher sagt: Hauptsache weiter. Und dann gibt es diese Pokalabende, an denen man sich fragt, ob „Hauptsache weiter“ eigentlich als offizieller Spielplan durchgeht.
Der 1. FC Köln steht in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Viel mehr Positives lässt sich aus diesem Montagabend in Würzburg dann auch nicht herauspressen, ohne dass man sich selbst ein wenig in die Tasche lügt. 2:1 gegen die Würzburger Kickers. Mit Ach und Krach. Mit reichlich Nervenkitzel. Und mit einem Isak Johannesson, der offenbar beschlossen hatte, die Angelegenheit persönlich zu regeln.
Die rund 2.500 mitgereisten FC-Fans auf der Tribüne dürften sich jedenfalls rührend nahegekommen sein. Kuschelig war es(sagt Micha). Nicht nur räumlich, sondern spätestens in der Schlussphase auch emotional. Jeder Würzburger Angriff wurde gemeinsam weg gezittert, jeder Blick auf die Uhr zum kleinen Familienritual. Pokalromantik eben.
Dabei begann der FC durchaus ordentlich. Ragnar Ache köpfte gefährlich aufs Tor, Said El Mala sorgte für Unruhe. Man durfte kurz glauben, die Kölner hätten verstanden, dass ein Pokalspiel gegen einen Außenseiter nicht zwangsläufig zu einer psychologischen Langzeitstudie werden muss.
Würzburg macht das Tor
Eine Ecke wird abgewehrt, der Ball kommt zurück, Liam Omore bringt ihn in den Strafraum – und plötzlich stehen die Kölner herum, als hätten sie gerade kollektiv vergessen, warum sie eigentlich auf dem Fußballplatz sind. David Abrangao sagt Danke und schiebt zum 1:0 ein.
Danach wurde es zäh. Sehr zäh.
Der FC kam kaum über Einzelaktionen hinaus. Ein langer Ball hier, ein langer Ball dort, vorne El Mala und Ache, dazu die Hoffnung, dass irgendjemand irgendwann eine Idee entwickelt. Einen erkennbaren Plan konnte man jedenfalls nur mit viel Fantasie entdecken. Und dann war da noch die große Chance zum Ausgleich kurz vor der Pause. Bülter spielt den Ball scharf in die Mitte, Luka Lochoshvili muss eigentlich nur noch den Fuß hinhalten – und scheitert an der komplizierten Aufgabe, seine Füße gleichzeitig davon zu überzeugen, dass sie jetzt bitte Fußball spielen sollen. Pfosten.
Spätestens da durfte man sich fragen: Was wurde in dieser Vorbereitung eigentlich einstudiert?
Nach dem Seitenwechsel wurde es zunächst nicht besser. Der FC hatte den Ball, aber Würzburg hatte offenbar die besseren Ideen. Bis zur 62. Minute. Bülter bringt den Ball scharf hinein, Ache legt ab und Isak Johannesson macht das, was an diesem Abend sonst offenbar niemand zuverlässig beherrschte: Er bringt Ordnung durch stochern ins Ergebnis.1:1.
Und weil Johannesson offensichtlich keine Lust hatte, diesen Abend in der Kategorie „peinlich, aber weiter“ abzuspeichern, legte er noch einen nach. In der 77. Minute bediente Linton Maina den Isländer, Johannesson nahm Maß und schlenzte den Ball vom rechten Strafraumeck ins Tor. 2:1.
Spiel gedreht. Johannesson gerettet. Köln erleichtert.
Eigentlich hätte man nun aufatmen können. Aber natürlich wäre das nicht der 1. FC Köln, wenn man eine solche Partie einfach kontrolliert zu Ende spielen würde. Würzburg warf alles nach vorne. Und in der Nachspielzeit durfte der FC noch einmal tief durchatmen, als Liam Omore den Ball an den Pfosten knallte.Da war sie wieder, diese feine Linie zwischen Pokalsieg und Pokalblamage. Der FC blieb auf der richtigen Seite.
Und das ist letztlich das Entscheidende.
Aber eben auch nur das.
Denn von einem klaren Spielkonzept war in Würzburg herzlich wenig zu sehen. Die Kölner Offensive lebte von langen Bällen und der Hoffnung, dass El Mala oder Ache irgendwie etwas daraus machen. In den Mannschaftsteilen fehlte der Einklang, im Aufbau die Struktur und über weite Strecken auch die Idee, wie man einen Drittligisten wirklich unter Kontrolle bekommt.
Dass Johannesson erneut zum Pokalretter wurde, ist fast schon eine kleine Tradition. Bereits im vergangenen Jahr hatte der Isländer beim mühevollen Weiterkommen in Regensburg seine Finger entscheidend im Spiel. Diesmal erledigte er es gleich selbst – mit zwei Treffern. Man könnte natürlich sagen: Ein Spieler, der in solchen Momenten Verantwortung übernimmt, ist Gold wert. Man könnte aber auch fragen, warum es überhaupt regelmäßig solcher Rettungsaktionen bedarf.Und genau dort liegt das eigentliche Problem dieses Abends. Der FC hat gewonnen. Der FC ist weiter. Der FC darf auf die Auslosung warten.
Aber wenn man aus diesem Spiel ableiten möchte, dass die Mannschaft bereits einen großen Schritt nach vorne gemacht hat, müsste man schon eine sehr großzügige Auslegung des Begriffs „Fortschritt“ bemühen.
Johannesson war der Retter. Die 2.500 FC-Fans waren die Leidensgemeinschaft. Und der Rest war Pokal-Fußball mit Kölner Beteiligung. Oder kurz gesagt: 2:1 gewonnen, eine Runde weiter – und trotzdem jede Menge Hausaufgaben.
Vielleicht war das Ganze ja auch ein besonders raffinierter Plan. Erst den Gegner stark machen, dann zweimal Johannesson schicken und anschließend gemeinsam mit den Fans kuschelig die letzten Minuten überstehen.
Wenn das tatsächlich die neue Kölner Spielidee ist, dann darf man gespannt sein, was René Wagner noch alles in der Vorbereitung versteckt hat.Ach und Krach ist jedenfalls eine Spielweise, die der FC inzwischen ziemlich zuverlässig beherrscht.
So freue ich mich auf den Samstag im ersten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim wenn es wieder heißt:Come on Effzeh !
So standen die Teams auf dem Würzburger Grün
1. FC Köln:Schwäbe – Castro-Montes, Simpson-Pusey, Lochoshvili (82. Schmied), Mensah (75. Skhiri) – Thielmann (75. Maina), Krauß, Johannesson – Bülter, Ache (75. Dallinga), El Mala (89. Okon-Engstler)
Würzburger Kickers:Rajkovacic – Eberle, Hägele, Farahnak – Omore, Abrangao, Ochs, Embaye, D. Kinsombi – Bonga, Kraus




































































