1. FC Köln: Nur fünf Gegentore, ein Said-El-Mala-Bämm! und die offene Zukunft

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Köln – Was gibt es zu einer erwartbaren 1:5-Niederlage des 1. FC Köln beim FC Bayern München eigentlich noch groß zu sagen? Ehrlich gesagt: gar nicht so viel. Bayern war besser, Bayern war reifer, Bayern war hungriger. Und Köln wirkte wie eine Mannschaft, die innerlich schon längst in der Sommerpause angekommen war. Und trotzdem erzählte dieser Nachmittag mehr über den FC als viele engere Spiele dieser Saison.

Ein Tor als Versprechen – und als Problem

Natürlich muss man über Said El Mala sprechen. Sein Treffer in München war allererste Sahne. Tempo, Technik, Mut – ein Tor, das sofort diese Diskussionen auslösen wird, die Köln mittlerweile fast schon automatisch begleiten:
Nationalmannschaft? Millionenmarkt? England? Zukunft?

Wahrscheinlich alles berechtigt. Und gleichzeitig bleibt dieses seltsame Gefühl zurück, dass sich der FC davon sportlich zunächst einmal nichts kaufen kann. Denn während El Mala zum Projektionsspieler einer besseren Zukunft wird, muss sich Köln den ganzen Sommer über wieder mit Transfergerüchten und Ablösesummen beschäftigen. Vielleicht ist genau dieses das Kölner Problem der vergangenen Jahre: Einzelne Hoffnungsträger werden größer als die Mannschaft selbst.

Die Müdigkeit einer Mannschaft, die sich längst getrennt hatte

Interessanter war ohnehin etwas anderes: die Körpersprache. Wenn jetzt langsam durchsickert, dass bei Eric Martel schon länger klar war, dass er Köln verlassen würde, erklärt das vieles. Nicht alles – aber vieles. Denn Mittelfeldspieler prägen Energie, Rhythmus und Widerstandskraft einer Mannschaft oft stärker als jede taktische Zeichnung. Und wenn dort die letzte Überzeugung fehlt, wird Fußball plötzlich erstaunlich schwer.

Dazu kommen Spieler wie Kristoffer Lund, bei denen ebenfalls längst klar war, dass ihre Zeit in Köln endet. Dazu die Abschiede von Florian Kainz und Luca Kilian. Und irgendwann entsteht daraus fast zwangsläufig eine Kabine mit zwei Wirklichkeiten:

  • die Spieler, die gehen werden
  • und die Spieler, die bleiben müssen.

Vielleicht erklärt das auch die seltsame Leere der letzten Wochen. Die Klatsche gegen Heidenheim. Das passive Verteidigen in München. Dieses merkwürdige Gefühl, dass die Mannschaft zwar auf dem Platz stand, aber emotional nicht mehr vollständig erreichbar war.

Wagner gestikulierte – die Mannschaft verteidigte Beton

Dabei war interessant zu beobachten, dass René Wagner an der Seitenlinie durchaus andere Dinge einforderte. Seine Gesten wirkten aktiv, aggressiv, teilweise fast verzweifelt. Nur das Team auf dem Rasen reagierte anders:
tief stehen, Räume schließen, Schaden begrenzen.

Der FC rührte in München Beton an – allerdings ohne die Überzeugung einer Mannschaft, die wirklich an defensive Stabilität glaubt.Und vielleicht liegt genau darin das Dilemma der Trainerdiskussion.

Die Trainerfrage ist komplizierter als viele glauben

Natürlich wird jetzt wieder über den Trainer gesprochen werden. Das gehört in Köln inzwischen fast automatisch zum Saisonende.

Aber vielleicht sollte man René Wagner tatsächlich die ersten sechs Spiele der neuen Saison geben. Denn bei aller berechtigten Kritik: Der Trainer allein erklärt diese letzten Wochen nicht. Wagner hat die Mannschaft stabilisiert, Punkte geholt und den Klassenerhalt geschafft. Das Problem lag zuletzt weniger in der Idee als in der Bereitschaft, sie konsequent umzusetzen. Die Mannschaft wirkte müde. Emotional leer. Teilweise auseinanderdriftend. Und genau deshalb wird die eigentliche Aufgabe jetzt bei Thomas Kessler liegen.

Der FC braucht endlich ein Ziel, das größer ist als Angst

Köln muss endlich aufhören, seine gesamte Identität über Abstiegskampf zu definieren.

Dieses ewige:
„40 Punkte holen.“
„Drinbleiben.“
„Irgendwie die Klasse halten.“

…fordert doch auf Dauer niemanden heraus.

Ein guter Profi will gewinnen. Will auffallen. Will in den Fokus. Will Erfolg spüren. Niemand wird Fußballprofi, um Platz 15 als emotionales Maximum zu akzeptieren.  Vielleicht braucht dieser Verein endlich wieder jemanden, der öffentlich sagt:
Unser Ziel ist Platz neun. Mindestens.

Nicht aus Größenwahn. Sondern weil Ambition im Profisport keine Gefahr ist – sondern Voraussetzung.

Erfahrene Sportpsychologen beschreiben genau das seit Jahren: Mannschaften orientieren sich oft unbewusst an den Grenzen, die ihr Umfeld formuliert. Wer permanent gegen den Abstieg denkt, entwickelt selten die Mentalität einer Mannschaft, die dauerhaft gewinnen will.

Und vielleicht erklärt genau das auch die seltsame Stimmung rund um den FC:
Man verwaltet sich zu oft selbst, bevor überhaupt etwas entstehen kann.

7500 Gründe, sich zu schämen

Am Ende bleiben vor allem die 7500 mitgereisten Kölner Fans. Menschen, die nach München fahren, obwohl sie wissen, wie diese Spiele meistens enden. Niemand reist ernsthaft für eine erwartbare Niederlage quer durchs Land. Diese Menschen fahren, weil sie hoffen. Weil Fußball ohne Hoffnung nicht funktioniert.

Oder glaubt wirklich jemand, dort sitzen heimliche Bayern-Fans im Gästeblock?

Umso bitterer war es, dass der FC erst in der zweiten Halbzeit zeigte, dass er überhaupt Fußball spielen kann.

Und vielleicht war genau das die ehrlichste Pointe dieser Saison:
Immer dann, wenn der Druck weg war, spielte Köln plötzlich mit.

Ein Wort noch zu den Bayern. Congrats zu Meisterschaft und für Berlin drücke ich die Daumen für das Double. Ich mag Harry Kane, ein toller Fußballer und das waren wieder wunderbare Tore. Ich finde Olise und Karl sind nicht nur Bayern Talente, sondern bereits komplette Fußballer mit internationaler Klasse. Pro Tipp für Said: Macht et wie Poldi und Jonas, hol dir die Weltklasse Ausbildung in München, statt auf der Insel.:-)

Und so freue ich mich über die ersten Testspiele und den Saisonauftakt und kann es kaum erwarten, dass es wieder heißt: Come on Effzeh!

Die Stimmen zum Rasenevent in München

Marvin Schwäbe: „Bayern war heute einfach eine andere Kategorie.“

Marius Bülter: „Es gibt aus diesem Spiel kaum etwas Positives mitzunehmen.“

Florian Kainz: „Die letzten beiden Spiele haben kein gutes Bild von uns abgegeben.“

Eric Martel: „Vier Jahre durfte ich den Geißbock auf der Brust tragen – und das immer mit großem Stolz.“

So standen die Teams auf dem Grün der Allianz Arena

 1. FC Köln: Schwäbe – Sebulonsen, Özkacar, Heintz, Lund – Martel, Krauß – Maina, Kainz, El Mala – Bülter

FC Bayern München: Neuer – Kimmich, Upamecano, Kim, Davies – Pavlović, Goretzka – Sané, Musiala, Coman – Kane

Tore: 

1:0 Kane
2:0 Musiala
3:0 Sané
3:1 El Mala
4:1 Kane
5:1 Musiala

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Jazzie ist mein Nickname als Jazzmusiker. COLOZINE Magazin ist mein Blog. Beruflich bin ich Inhaber einer Internetagentur in Köln und Ostfriesland. Hier fröne ich meinen Hobbys. Ich liebe Smooth Jazz und die USA Jazz Musik Szene. Als Jazz Fan sehe ich Harmonie, nicht nur in der Musik, als unser allerhöchstes Gut an. Jazz-, Pop-, Hardrock- und Bluesmusik hat die Welt verändert und ist für mich unverzichtbar. Grund genug, durch die Welt zu surfen und Ausschau nach guten Music Acts und Musikern zu halten. Ich bin Fan des 1. FC Köln. Weitere Faibles gelten dem Motorsport, Tennis und Motorrad fahren. Ich bin ein Honda Freak und lasse mir gerne den Wind um die Nase wehen. Inzwischen habe ich meinen Lebensort an die Nordsee in Ostfriesland verlagert, weil ich mein Herz an ein Denkmal von Anno 1746 verloren habe. Bei Fragen oder Fehlangaben auf den Colozine Köln News Seiten hier die Kontaktmöglichkeit Jazzie (Reinhold Packeisen) oder Mail an info@koeln-news.com :-) Tel.+49 170 90 08 08 74