Köln -Tja, liebe Leute. Manchmal schreibt der Fußball Geschichten, bei denen sich der 1. FC Köln Fan in der Nordkurve fragt, ob man lieber Trauerrede oder Comedy-Programm verfasst. Der zweite Spieltag der Bundesliga hat uns jedenfalls beides geliefert – nur leider in der falschen Reihenfolge für die Geißböcke.
Am Freitagabend ging’s für René Wagners Truppe zum VfB Stuttgart, der eine Woche zuvor selbst noch beim FC Bayern mit 1:5 durch die Manege gejagt wurde. Genau der richtige Zeitpunkt also, dachte man sich wohl am GBH, um einem angeschlagenen Gegner die Auftaktpleite madig zu machen. Kam anders. Kam ziemlich anders sogar: Am Ende stand ein 1:4 auf der Anzeigetafel, und die Schwaben durften ihre Wunden aus Woche eins mit einer waschechten Gala-Vorstellung verarzten.
Halbzeit eins: Die Latte hat Köln zweimal gerettet
Was in den ersten 45 Minuten in Stuttgart ablief, hatte wenig mit einem ausgeglichenen Bundesligaspiel zu tun. Der VfB machte von der ersten Minute an klar, wer hier den Ton angibt, ballerte reihenweise gute Chancen raus – und traf dabei gleich zweimal nur das Aluminium. Einmal aus kürzester Distanz, einmal per Kopf. Wer’s nicht besser wüsste, könnte meinen, der Pfosten trägt an diesem Abend heimlich ein Kölner Trikot.
Die Kölner Defensive wirkte in dieser Phase sichtlich überfordert, das Spiel ging phasenweise viel zu schnell für die Mannen vom Geißbockheim. Kurz vor der Pause war es dann so weit: Ein Stuttgarter tunnelte sich fast im Alleingang durchs Zentrum und durch die Beine eines Kölner Verteidigers und schob zur verdienten 1:0-Führung ein. Halbzeitstand, der die spielerische Überlegenheit ziemlich exakt widerspiegelte.
Halbzeit zwei: Kurzes Aufbäumen, dann der Absturz
Und dann – Fußball ist eben Fußball – zeigte der FC plötzlich ein völlig anderes Gesicht. Trainer Wagner brachte zur Pause frisches Personal, unter anderem den Neuzugang aus der Premier League. Mickey Moore und Heskey zeigten für rund eine Viertelstunde das es auch komplett anders gehen kann. Köln drückte den VfB regelrecht in dessen eigenes Sechzehnmeterraum-Sofa. Gleich mehrere Hochkaräter sprangen dabei heraus, der Stuttgarter Keeper musste sich mehrfach strecken und einmal sogar mit einem richtig starken Reflex auszeichnen, um seinen Kasten sauber zu halten.
Genau in dieser Phase hätte das Spiel kippen können. Hätte. Stattdessen straften die Stuttgarter die vergebenen Kölner Chancen eiskalt ab und schalteten binnen 15 Minuten von der Bedrängnis in den Vollgas-Modus: erst ein sauber heraus gespielter Treffer zum 2:0, kurz danach ein satter Distanzschuss nach starkem Solo zum 3:0. Der Ehrentreffer durch Bülter fiel zwar noch, änderte am Spannungsbogen aber nichts mehr – und in der Nachspielzeit setzte ein Stuttgarter mit einem Traumtor per Volley noch die Kirsche obendrauf. Endstand: 1:4.
Hätte Wagner gewusst, was Wagner weiß
Was wäre wohl passiert, hätte Wagner gleich mit der Startelf der zweiten Halbzeit begonnen? Wenn El Mala und Dallinga unter den Augen von Kloppo dabeigewesen wären… Boa! Ich will da gar nicht zu lange drüber grübeln – aber selbst gegen einen Champions-League-Kandidaten wäre an diesem Abend wohl mehr drin gewesen als eine Klatsche. Zumal, wenn man sieht, wie Schalke 04 den FC Bayern über zwei Halbzeiten in Schach gehalten hat – ausgerechnet gegen den Verein, der eine Woche zuvor genau diesen Stuttgartern die Grenzen aufgezeigt hatte. Gar nicht hingucken darf man, wenn man sieht, das Werder Bremen Leipzig schlägt, oder noch besser, Elversberg plättet BMG. So weit kommt man eben nur, wenn man mit einem klaren Matchplan nach ordentlicher Gegneranalyse aufläuft. Im Geißbockheim scheint man diese Hausaufgaben diesmal nicht so maximal gemacht zu haben.
Ein Trost der belibt : Die 20 Minuten nach der Pause, in denen der FC alle Möglichkeiten hatte, dieses Spiel zu drehen, haben gezeigt, dass Substanz da ist. In der Nordkurve fand das viel Anklang und es erwächst Zuversicht. Jetzt liegt es an Wagner, endlich einen Spielplan zu finden, der über die vollen 90 Minuten trägt – und nicht nur für eine Viertelstunde. Ich freue mich auf den nächsten Spieltag, wenn es wieder heißt: Come on Effzeh!
So standen die Teams in Stuttgart auf dem Rasen
1. FC Köln: Schwäbe – Castro-Montes, Simpson-Pusey, Lochoshvili, Mensah – Johannesson, Krauß (90. Krauß), Okon-Engstler (46. Skhiri) – Thielmann (46. Moore), Ache (75. Bülter), Maina (75. Heskey)
VFB Stuttgart:Fabian Bredlow, Vagnoman,Jeff Chabot,Jeltsch,Mittelstädt,Stiller, Prömel,Pejcinovic, Chris Führich, El Khannouss,Undav.
Tore: 1:0 Al Khannouss (39.), 2:0 Prömel (60.), 3:0 Demirovic (75.), 3:1 Bülter (81.), 4:1 Vagnoman (90.+1)




































































