1. FC Köln – Wenn Kampf den Fußball ersetzt – Der beste Kölner war Schwäbe

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1. FC Köln Stadion Foto @buedchenmicha

Köln:  „Wer Zauberfußball sehen will, soll in ein anderes Stadion gehen“

Mit Özkacar, Sebulonsen, Castro-Montes sowie den beiden Sechsern Martel und Krauß werde beim 1. FC Köln „geackert und nicht gezaubert“, erklärte der Trainer nach dem Spiel. Und schob hinterher: Wer Zauberfußball sehen wolle, müsse eben woanders hingehen. Hier gebe es Aufopferungsbereitschaft.

Das mag aus Trainersicht ehrlich gemeint sein. Es ist nur nicht ganz richtig.

Denn in der langen Historie dieses Vereins gab es genug Mannschaften und Trainer, die beides miteinander verbanden: Kampfgeist und fußballerische Klasse. Einsatz und Tore. Leidenschaft und Souveränität. Es war nie ein Widerspruch in Köln, sondern eher ein Markenzeichen.

Kampfgeist war in Köln nie das Gegenteil von Klasse

Der neue Kölner Realismus klingt deshalb kleiner, als dieser Klub eigentlich ist. Als müsse man sich entscheiden zwischen Laufen und Spielen, zwischen Pressing und Präzision. Als sei es ein Naturgesetz, dass eine Mannschaft, die sich im Angriff aufopfert, am Ende keine Tore schießt.

Genau das aber passiert derzeit.

Flanken, Fleiß und die große Ergebnislosigkeit

Ragnar Ache wirft sich in alles, was auch nur entfernt nach einer Flanke aussieht. Er arbeitet, er kämpft, er opfert sich auf. Nur: Das Ergebnis steht in keinem Verhältnis zu diesem Aufwand. Zu viele Hereingaben landen beim Gegner, zu wenige Abschlüsse werden zu Toren.

Der Fleiß ist beeindruckend. Der Ertrag ernüchternd.

Der Edeljoker, der keiner ist

Und dann ist da noch Said El Mala, der als Impuls von der Bank gedacht ist. In den Spielen gegen Mainz und Wolfsburg lief die Partie an ihm vorbei. Weder im Pressing noch im Angriff noch in der Rückwärtsbewegung war er ein Faktor.

Er erinnert in solchen Momenten an Lukas Podolski an seinen passiven Tagen: viel Erwartung, wenig Beteiligung. Man fragt sich auf der Tribüne zwangsläufig, warum nicht ein anderer Stürmertyp gebracht wird. Einer, der Bälle festmachen kann. Einer vom Typ Ache – nur eben zentral eingebunden.

Was diesem FC im Angriff wirklich fehlt

Das Problem ist nicht der Einsatz. Es ist die Berechenbarkeit. Zu viele Flanken, zu wenig Variabilität, zu wenig Überraschung für den Gegner. Dazu kommt eine erstaunliche Schwäche bei Standards. Ecken und Freistöße sind für den FC viel zu selten echte Torchancen – ein Blick auf die Statistik im Ligavergleich reicht.

Wenn dieser Angriff gefährlicher werden soll, braucht er weniger Wiederholung und mehr Unwägbarkeit.

Und nein: Viele Fans möchten dafür nicht „in ein anderes Stadion“ gehen. Weil guter Fußball und Heim-Souveränität über Jahrzehnte zum Kölner Selbstverständnis gehörten.

Und trotzdem: Drei Punkte in Müngersdorf

Der 1. FC Köln gewann am Freitagabend im ausverkauften RheinEnergieSTADION mit 1:0 gegen den VfL Wolfsburg. Drei wichtige Punkte. Ein Spiel, das vieles über diesen FC erzählt.

Der Moment, in dem Effizienz kurz aufblitzte

Die ersten Minuten gehörten Wolfsburg. Köln hatte dennoch die erste gute Chance: Lund flankte von links, Ache köpfte, aber zu zentral auf Grabara (18.).

Wenig später zeigte sich, wie einfach Fußball manchmal sein kann. Linton Maina zog von rechts nach innen und schloss flach mit links ab. Der Ball schlug unten rechts ein – 1:0 (29.). Ein klarer, entschlossener Moment in einem Spiel, das sonst von viel Aufwand geprägt war.

Schwäbe hält den FC im Spiel

Nach der Pause wurde Wolfsburg immer dominanter. Pejcinovic kam frei zum Abschluss und verzog (59.). Maina konterte später im Alleingang wie im Spiel gegen den FC Bayern München, traf aber nur das Außennetz (68.).

In der Schlussphase wurde es hektisch. Sebulonsen blockte gegen Daghim (73.), Pejcinovic prüfte Schwäbe (87.). In der Nachspielzeit parierte der Kölner Torwart gleich mehrfach stark gegen Shiogai und Daghim (90.+2, 90.+5). Selbst die letzte Kölner Chance durch El Mala vereitelte Grabara (90.+6).

Der beste Kölner an diesem Abend stand im Tor.

„Der Aufwand lohnt sich“, sagt Maina

Linton Maina sagte nach dem Spiel: „Das Tor bedeutet mir viel, weil es den Sieg gebracht hat. Der Sieg gegen einen direkten Konkurrenten ist enorm wichtig. Es zeigt uns, dass sich der ganze Aufwand lohnt.“

Aus Spielersicht stimmt das. Aus analytischer Sicht bleibt eine Frage offen.

Drei Punkte, viele Fragezeichen

Der FC hat gewonnen. Verdient, kämpferisch, leidenschaftlich.

Aber das Grundproblem im Angriffsspiel bleibt bestehen. Dieser Sieg beantwortet keine der Offensivfragen. Er überdeckt sie nur für einen Moment.

Und vielleicht ist genau das, das eigentliche Kölner Paradox dieses Abends:
Man kann ein Spiel gewinnen – und sich trotzdem Gedanken machen müssen. Und so freue ich mich wenn es wieder heißt: Come on Effzeh!

So standen die Teams in Müngersdorf auf dem Rasen

1. FC Köln: Schwäbe – Castro-Montes, Sebulonsen, Özkacar, Lund (86. van den Berg) – Martel, Krauß – Maina (75. Thielmann), Bülter (66. Johannesson), Kaminski (75. El Mala) – Ache (86. Niang)

VFL Wolfsburg: Grabara – Fischer, Vavro, Jenz, Gerhardt – Vinicius Souza, Arnold, Eriksen, Majer, Wimmer – Pejcinovic

Tor: 1:0 Maina (29.)

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Jazzie ist mein Nickname als Jazzmusiker. COLOZINE Magazin ist mein Blog. Beruflich bin ich Inhaber einer Internetagentur in Köln und Ostfriesland. Hier fröne ich meinen Hobbys. Ich liebe Smooth Jazz und die USA Jazz Musik Szene. Als Jazz Fan sehe ich Harmonie, nicht nur in der Musik, als unser allerhöchstes Gut an. Jazz-, Pop-, Hardrock- und Bluesmusik hat die Welt verändert und ist für mich unverzichtbar. Grund genug, durch die Welt zu surfen und Ausschau nach guten Music Acts und Musikern zu halten. Ich bin Fan des 1. FC Köln. Weitere Faibles gelten dem Motorsport, Tennis und Motorrad fahren. Ich bin ein Honda Freak und lasse mir gerne den Wind um die Nase wehen. Inzwischen habe ich meinen Lebensort an die Nordsee in Ostfriesland verlagert, weil ich mein Herz an ein Denkmal von Anno 1746 verloren habe. Bei Fragen oder Fehlangaben auf den Colozine Köln News Seiten hier die Kontaktmöglichkeit Jazzie (Reinhold Packeisen) oder Mail an info@koeln-news.com :-) Tel.+49 170 90 08 08 74