1. FC Köln lässt sich in Köpenick das Spiel entgleiten

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FC Union Berlin vs 1. FC Köln Foto @ Stadionkind live dabei BuedchenMicha Bluesky
FC Union Berlin vs 1. FC Köln Foto @ Stadionkind live dabei BuedchenMicha Bluesky

Köln – Man kann dieses Spiel auf viele Arten erzählen. Als Beleg für Moral beim 1. FC Union Berlin. Als weiteren kleinen Entwicklungsschritt beim 1. FC Köln. Oder – und das trifft es wahrscheinlich am besten – als Geschichte darüber, wie Kontrolle im Fußball oft nur ein vorübergehender Zustand ist.Denn bis zur 70. Minute hatte Köln dieses Spiel im Griff. Und zwar nicht irgendwie, sondern bemerkenswert klar, verliert 2 Punkte und sichert sich so gerade eben mit einem Punkt und 99% den Verbleib in der Fußball Bundesliga. Et hätt noch emmer joot jejange. 

Kontrolle, Struktur – und endlich Konsequenz

Der FC trat in Köpenick so auf, wie man es sich aus Kölner Sicht häufiger wünscht: ruhig am Ball, stabil gegen den Ball, geduldig im Aufbau. Union durfte viel laufen, kam aber kaum in gefährliche Zonen.

Und vorne? Da passierte diesmal genau das, was zuletzt so oft gefehlt hatte.

Marius Bülter traf aus der Distanz, präzise, fast mühelos. Ein Tor, das weniger Zufall als Entscheidung war. Und auch das 2:0 hatte Struktur: Angriff über links, Flanke, Bewegung im Strafraum – Abschluss durch Said El Mala.  Zwei Tore, zwei klare Abläufe. Köln wirkte vorbereitet.

Ein Spiel, das kippt – nicht bricht

Und trotzdem reicht ein Spiel in Berlin selten aus, wenn man es nur spielt. Man muss es auch überstehen. Mit dem Anschlusstreffer durch Tom Rothe änderte sich weniger das Ergebnis als die Statik. Union wurde lauter, direkter, einfacher. Flanken, zweite Bälle, Strafraumpräsenz. Das Spiel verlor an Ordnung – und genau darin liegt die Stärke dieser Mannschaft. Köln dagegen verlor etwas Entscheidendes: Zugriff.

Trainer René Wagner beschrieb es später nüchtern:
„Bis zur 70. Minute war das genau das Spiel, das wir spielen wollten. Dann verlieren wir ein bisschen die Kontrolle.“

Dieses „bisschen“ war an diesem Nachmittag der Unterschied zwischen Sieg und Unentschieden.

Die eine Szene, die fehlt

Es gab sie nämlich, die Chance zur Entscheidung. Linton Maina läuft durch, hat das 3:1 auf dem Fuß – und scheitert. Es ist eine dieser Szenen, die in Spielberichten oft wie eine Randnotiz wirken, aber in Wahrheit den Kern treffen. Denn fast im direkten Gegenzug fällt der Ausgleich. Livan Burcu trifft aus der Distanz. 2:2. Ein Tor, das weniger aus einer klaren Struktur entsteht als aus einem Spiel, das längst aus den Fugen geraten ist.

Reifer – und doch nicht weit genug

Interessant ist, wie die Kölner Spieler das Spiel selbst einordnen. Keine Ausreden, keine großen Gesten.

Marvin Schwäbe sagte:
„Wir müssen das Spiel früher entscheiden. Das 2:0 darf uns so nicht mehr genommen werden.“

Und auch Said El Mala, erneut Torschütze, formulierte es erstaunlich klar:
„Wir haben es eigentlich im Griff gehabt. Am Ende bestrafen wir uns selbst.“

Das sind Sätze einer Mannschaft, die versteht, was passiert ist. Aber noch nicht in der Lage ist, es zu verhindern.

Ein Punkt – zwei Perspektiven

Auf der anderen Seite sprach man bei 1. FC Union Berlin von Moral. „Wir haben bis zum Schluss daran geglaubt“, sagte Torschütze Livan Burcu.

Und vielleicht liegt genau darin die Differenz:
Union glaubt – Köln kontrolliert.
Union bleibt im Spiel – Köln verliert den Überblick.

Der 1. FC Köln hat in Berlin gezeigt, dass er Spiele mittlerweile gestalten kann. Dass er Ideen hat, Abläufe, Struktur. Aber er hat auch gezeigt, dass das nicht reicht. Denn Spiele werden nicht in den Phasen entschieden, in denen man überlegen ist. Sondern in denen man es bleibt. Und genau daran fehlt es noch. So freue ich mich jetzt auf das nächste Heimspiel gegen den FC Heidenheim, wenn es in Müngersdorf wieder von den Rängen schallt: Come on Effzeh! Die Hoffnung bleibt das am nächsten Spieltag keine kuriosen Ergebnisse auf den anderen Plätzen auftauchen, Bayern im letzten Spiel nicht 12 Tore gegen den FC schießt und was weiß ich nicht alles sonst noch passieren könnte, denn immerhin reden wir vom ersten Fußballclub Köln. 🙂

So standen  die Teams auf dem Berliner Rasen

1.FC Köln: Schwäbe – Sebulonsen, Simpson-Pusey, Özkacar, Lund (80. Schmied) – Krauß, Martel – Waldschmidt (62. Chavez), Kaminski (71. Maina), Bülter (71. Thielmann) – El Mala (71. Niang)

FC Union Berlin:Klaus – Doekhi, Diogo Leite, Nsoki – Juranović, Rani Khedira, Rothe, Schäfer, Kemlein – Burke, Ansah

Tore: 0:1 Bülter (33.), 0:2 El Mala (61.), 1:2 Rothe (73.), 2:2 Burcu (89.)

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Jazzie ist mein Nickname als Jazzmusiker. COLOZINE Magazin ist mein Blog. Beruflich bin ich Inhaber einer Internetagentur in Köln und Ostfriesland. Hier fröne ich meinen Hobbys. Ich liebe Smooth Jazz und die USA Jazz Musik Szene. Als Jazz Fan sehe ich Harmonie, nicht nur in der Musik, als unser allerhöchstes Gut an. Jazz-, Pop-, Hardrock- und Bluesmusik hat die Welt verändert und ist für mich unverzichtbar. Grund genug, durch die Welt zu surfen und Ausschau nach guten Music Acts und Musikern zu halten. Ich bin Fan des 1. FC Köln. Weitere Faibles gelten dem Motorsport, Tennis und Motorrad fahren. Ich bin ein Honda Freak und lasse mir gerne den Wind um die Nase wehen. Inzwischen habe ich meinen Lebensort an die Nordsee in Ostfriesland verlagert, weil ich mein Herz an ein Denkmal von Anno 1746 verloren habe. Bei Fragen oder Fehlangaben auf den Colozine Köln News Seiten hier die Kontaktmöglichkeit Jazzie (Reinhold Packeisen) oder Mail an info@koeln-news.com :-) Tel.+49 170 90 08 08 74