Bruno Müller & Friends „dauer-entfesselter“ Funk im Pfandhaus

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Bruno Müller & Friends
Bruno Müller & Friends

Köln- Bruno Müller  & Friends die SOUL-JAZZ-GUITAR-NIGHT im Kölner Altes Pfandhaus. Im Februar 2017 spielte  Bruno Müller, guitar, Stephan Abel – tenor sax ,Matthias „Maze“ Meusel , drums und Lutz Krajensky,hammond 3D ein Konzert im Pfandhaus.

Bruno Müller, der fulminante Kölner Gitarrist bewies auch in diesem Konzert, dass er eine absolut glückliche Hand für Musiker hat: Perfekt und immer stimmig musizierte er mit den drei neu ausgewählten Musikern. Gemeinsam erzeugten sie einen inspirierenden, immer spannungsvollen Jazzsound. Es war natürlich viel mehr als „nur“ eine „Soul-Jazz-Guitar-Night“ – denn in fast allen Titeln gab es jede Menge sozusagen „dauer-entfesselten“ Funk und Groove !

Das Repertoire entsprach Müllers erstem Album „Inner Back Home“, welches erfreulicherweise sogar Platz eins der I-Tunes Jazzcharts erreichte. Wer das Album kannte, war dann im Konzert sicher schnell überzeugt, dass die Titel der CD – hier live und neben Müller von anderen Musikern vorgestellt – neue, eigenständige und oftmals sogar dynamischere Versionen wurden, als die Albumfassungen.

Dafür sorgten neben Müllers exquisit gespielten Gitarrenlinien zunächst Saxophonist Stephan Abel, dessen Spiel mich in diesem Konzert stark an den Funkjazz des Maceo Parker erinnerte. Und dann Lutz Krajenski, der – wenn er es darauf anlegte – mit dem überwältigenden Sound seiner Hammond 3 D den Konzertsaal des Alten Pfandhauses akustisch explodieren ließ.

Lutz Krajensky/ hammond 3D
Lutz Krajensky/ hammond 3D
Dies zeigte sich bereits deutlich im ersten Teil des Konzerts beim Donny-Hathaway-Song „Someday We’ll All Be Free“. In einer langen, subtil strukturierten Version von stetig ansteigender Intensität erreichte der Soulklassiker – besonders befördert durch das furiose Spiel Lutz Krajenskis an der Hammond-Orgel – allmählich das Klangniveau eines dröhnenden Tornados. Das von allen Künstlern umwerfend interpretierte Stück war das erste Highlight des Abends, viele weitere sollten folgen.

So sang zum Beispiel unangekündigt als Überraschungsgast die begabte Melane Nkoukolo mit samttiefer Altstimme ein wunderbar dezent-souliges „Grandma’s Hands“ und Stephan Abel veredelte den Song zusätzlich mit einem Saxophon-Solo. Auf dem Album wird der Bill-Withers-Song von Jeff Cascaro sicher großartig intoniert – die neue Liveversion fand ich aber ebenso reizvoll und musikalisch gleichrangig.

Hört man jetzt wieder die tollen Songs von Withers, Hathaway, Hancock, Fagen oder Bill Evans, der 70er und 80er, konnte man schon den Eindruck bekommen, dass Kompositionen von dieser Güte heute her seltener geschrieben werden.

Wenn im Programm des Alten Pfandhauses steht, dass Bruno Müller inzwischen zu Europas besten Gitarristen zählt, so würde ich das sofort bestätigen. Müller beherrscht von filigranen Tönen über latin-orientiert bis zum hochexpressivem Blues, Soul und Funk alle Stilarten. Seine Virtuosität kann er aber ebenso überzeugend in der sanften Eigenkomposition „Lullaby For The 3Bs“ beweisen.

Nach dem vorjährigem Konzert im Kölner Stadtgarten, bei dem renommierte Musiker und Gastsänger wie Max Mutzke oder Jeff Cascaro auf dem Programm standen, hatte Bruno Müller diesmal mit Matthias„Maze“Meusel, Lutz Krajenski und Stephan Abel wahre Koryphäen an Musikern. Die drei Künstler haben seit 2006 viele Jahre in der Roger Cicero Big Band gespielt und bereits 2000 mit Bassist Hervé Jeanne die Jazzformation „After Hours“ gegründet. Es wurden zwei Alben eingespilet. „After Hours“ (2000) und „There I Go, feat, Roger Cicero“ (2005).

Alle drei Künstler sind seitdem auch mit interessanten Soloprojekten erfolgreich. So war es bei diesem Pfandhaus-Konzert keine Frage, dass es so gut gelingen konnte und dank dieser ausgereiften Musiker der musikalische Hauptakzent des Abends voll und ganz dem Jazz verpflichtet war.

Bruno Müller & Friends, oder das neue „Bruno Müller Quartett“ bescherte seinen Besuchern einen wunderbaren, fesselnden Konzertabend voller subtiler, dynamischer Interpretationen und kreativen Improvisationen. Auf ihrer aktuellen Konzerttour haben die vier Musiker bisher hervorragende Kritiken bekommen – zu recht, wie Jeder sagen wird, der sie erleben durfte. Weiter gemeinsame Projekte sind wünschenswert.

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