CICERO SINGS SINATRA Eine glanzvolle Sinatra-Hommage voller Hingabe!

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Cicero sings Sinatra
Cicero sings Sinatra

Köln- Eine glanzvolle Sinatra-Hommage voller Hingabe!  CICERO SINGS SINATRA   ( LIVE-ALBUM UND  DVD/BLU RAY)

Mit riesigen Lettern im wirkungsvollen Showbiz-Design prunkt hoch oben die Leuchtschrift „CICERO SINGS SINATRA“. Im Vordergrund die obligatorische Showtreppe. So opulent muss es zunächst mal aussehen, wenn ein Künstler heutiger Zeit eine einsame Entertainer-Ikone vergangener Dekaden ehrt. Zu sehen als Konzert-Mitschnitt auf Blu Ray &  DVD!

Auf der Live-Album-Version wurden längere Moderationen zu einzelnen Songs klugerweise weggelassen, so kann man nahtlos den swingenden Strom der Musik, die Schönheit vieler Perlen des Great American Songbooks genießen. Songs, die Frankieboy  (aber auch andere große Künstler seiner Zeit) so unvergesslich machten.

Mit COME FLY WITH ME eröffnet Roger Cicero seine Sinatra-Hommage mit viel Schwung, guter Laune und dem vollen, wunderbaren  Bigband-Sound. Schon in der zweiten Nummer „I’ve Got You Under My Skin“ erweist sich Cicero als Meister des perfekten Timings und elegant eingesetzten Drives, während seine Big Band  im Instrumentalteil bereits hier zur Höchstleistung auffährt. Es sind  speziell diese altbekannten Swingnummern, wie auch THE BEST IS YET TO COME, LET’S FACE THE MUSIC AND DANCE, IT’S ALLRIGHT WITH ME, I WISH YOU LOVE oder WHERE OR WHEN, welche in diesem Konzert durch neue, ungemein mitreißende Arrangements und der swingbeseelten, niemals laschen  Stimme Ciceros begeistern.

Die Arrangeure haben sich mit ihren adäquat-kreativen Bearbeitungen deutlich vom Sound der legendären Basie-Bigband inspirieren lassen, was den Songs  sehr gut tut.  Cicero war hauptsächlich zum Sinatrabewunderer  wegen des Sinatra-Basie-Konzerts „Live At The Sands“  geworden.  Durch die stark bläserdominierten Arrangements auf „Cicero Sings Sonatra“, dem  völligen Fehlen der Streicher, durch viele Soli der Musiker  und nicht zuletzt durch des Sängers Phrasierung, bekommt „diese Sinatra-Hommage insgesamt einen stärker jazzbetonten Klang, als die meisten Sinatra-Alben haben.

Denn Sinatra-Alben,  eingespielt  mit speziellen Jazzgrößen wie Basie, Ellington oder  Quiny Jones  waren innerhalb seiner  riesigen Anzahl von Aufnahmen  eher selten. Die meisten Sinatra-Alben wurden mit großen Orchestern wie die von  Nelson Riddle, Gordon Jenkins, Don Costa, oder Billy May  mit vielen Streichern  eingespielt.

So macht Cicero, dessen musikalische Wurzeln der Jazz sind – egal ob seine Begabung und Jazzbegeisterung  von Vater Eugen Cicero vererbt oder  während seines Jazzstudiums erlernt wurde, auf diesem neuen Album seine ureigene Sache. Dazu kommt der glückliche Umstand, dass Cicero mit seiner genialen Bigband nunmehr fast zehn Jahre gemeinsam spielt. Eine größere Stimmigkeit und Spielfreude ist kaum vorstellbar! Beim Konzert  „Cicero Sings Sinatra“ hört man dies bei jedem Song. Und ohne Übertreibung kann ich für mich feststellen: dieses Album ist das bisher leuchtendste  Highlight des musikalischen  Unternehmens: Roger Cicero & Bigband !

Besondere Beispiele mit welcher Brillanz Cicero & Bigband operieren, sind zunächst die   rhythmischen Songs wie das  ungewöhnlich  schnell gespielte und gesungene „IT’S ALLRIGHT WITH ME“, gekrönt vom prächtigen Solo des Drummer Matthias Meusel. MACK THE KNIFE  startet Cicero zwar cool-lässig, klingt zunächst aber noch etwas verhalten. Begeisterung kommt dann aber sehr schnell auf, wenn der Song mehr und mehr an Fahrt gewinnt, eine geradezu  überbordende Steigerung von Gesang und Bigband den Songs vorwärtstreibt.und dazu noch ein wunderbares Trompetensolo von Benny Brown ertönt.

Auch I WISH YOU LOVE glänzt  als die „definitive“ Bigband-Nummer mit Jazzakzenten! Der Song war übrigens der erste Bigband-Titel, den der  noch jugendliche Cicero  unter der Leitung des begnadeten Bigband-Leaders Peter Herbolzheimer sang.

Aber wenn Cicero dann die großen klassischen Sinatra-Balladen intoniert, da sollt man schon ganz besonders seine Ohren spitzen. Beim überirdisch schön gesungenen  SEPTEMBER OF MY YEARS erweist sich Roger Cicero als überraschend sensibler, meisterhafter Balladensänger. Von den vielen gelungenen Stücken des Albums ist SEPTEMBER OF MY YEARS ein hervorstechendes Kleinod von zeitloser Qualität.

George Gerwhwins einzigartiges I’VE  GOT A CRUSH ON YOU  enthält eingangs als Besonderheit einen langen, kompositorisch recht verzwickten Vers, der klangvoll und mit lupenreiner Intonationssicherheit von Cicero  vorgetragen wird. Auch dies eine wunderbare, lyrische Ballade,

Die vielleicht traurigste Ballade ANGEL EYES – oft von Jazzvokalisten  gehört und häufig getragen von gehauchter Melancholie, wird hier von Cicero mit eher kräftigem Gesang bedacht – seine Interpretation  klingt bis auf das resignierende Ende des Songs „Excuse me while I disappear“  schon leicht anklagend bis „aufsässig“, aber dem Inhalt des Songs  entsprechend verständlich.

SUMMERWIND gestaltet er stilvoll im moderaten Swing. Bei allen Balladen entfaltete sich besonders in den tieferen Tonlagen voll und warm Ciceros Stimme.
Abschließend zu Rogers Balladen auf „Cicero Sings Sinatra“  lasse ich mich gerne zu der subjektiven Äußerung hinreißen, dass nur emotionale Trägheit es verhindern kann, diese Interpretationen in der Unterstützung des hervorragenden Orchesterklangs nicht  vollendet  zu finden.

Bevor ich zu den populären Gaststars komme, muss  noch  FOR ONCE IN MY LIFE erwähnt werden. Der Song wurde übrigen nicht von Stevie Wonder komponiert, er hat ihn aber 1967  zum Welthit gemacht. Hier  mischt sich Ciceros unfehlbares Swingfeeling mit seiner Leidenschaft  für Soul und R&B. Ciceros Singen changiert souverän zwischen  Swing, Jazz oder auch  Pop. Von allen „Midtemposongs“ des Albums überzeugt und begeistert Cicero hier mit ungebremster  Intensität  und vokaler Power am stärksten.

Die Gaststars Yvonne Catterfeld, Sasha und Xavier Naidoo werden  wunderbar stimmig in das Sinatra-Programm integriert. Catterfeld-Fans  müssen nicht lange warten:

Bereits als dritter Song wird  CHEEK TO CHEEK  als Duett mit Yvonne vorgestellt. Catterfeld hat ein schön swingendes Timbre in den Höhen und harmoniert insgesamt großartig mit Cicero. Die Version ist nicht ohne Humor angelegt, beide Künstler agieren souverän und bezaubern mit ihrer Spielfreude und Charm. Sogar diese Nummer klingt in ihrer temporeichen Beschleunigung jazziger, als man den Song in Erinnerung hat. Die Stimmen strahlen, die Bigband swingt überschäumend – und mit Scat-Salven klingt der Song aus. Perfekt!
Das folgende Cicero-Catterfeld-Duett “Something Stupid“ klingt dagegen natürlich sehr brav –  aber liebenswert. Keineswegs ist diese Version schlechter als diejenige mit der ausdruckslosen, stimmschwachen Nicole Kidman und Robbie Williams.

Sasha! Unzweifelhaft ist der Mann ein echtes Entertainer-Talent. Bewiesen hatte er das schon in der „Rat-Pack-Show: „Alive and Swinging“ zusammen  mit Rea Garvvey, Xavier Naidoo, und Michael Mittermeier. Also ein idealer Cicero-Duettpartner für Swingsongs. FLY ME TO THE MOON startet mit Hervé Jeannes knackigen  Basstupfern. Die zwei Gesangsstimmen   „funktionieren“  großartig im Zusammenspiel. Man konnte spüren, dass beide Künstler bei bester Laune in ihrem Metier waren.
Noch besser kommt das beim grandiosen,  längeren  Duett LUCK BE A LADY  rüber: Sashas Stimme  mit dunklerem Klang und etwas stärkerem Vibrato erinnert  manchmal an Dean Martin, wenn er nicht allzu laut singt, was er durchaus auch kann. Cicero hat dagegen besonders  in seinen Höhen einen härteren, etwas metallischen Klang. Seine tiefen Noten klingen dagegen unerwartet dunkel und immer noch von präsenter Fülle, fast wie von einer anderen Person. Ich will damit sagen, dass Ciceros stimmliches Klangbild recht wandlungsreich ist. Die zwei Stimmen Cicero/Sasha  ergeben im Duett einen sehr einen reizvollen Kontrast.

Auch LUCK BE A LADY  wird mit Witz und Schalk dargeboten. Sasha ist der Typ, der auf die Bühne kommt, eine oder zwei   Drehungen zum Publikum macht, die Leute breit und siegessicher anstrahlt und sich im Selbstbewusstsein sonnt – da hat er bei Vielen schon gewonnen. Er kann es sich leisten, denn er besitzt überzeugende Bühnenpräsenz. Folglich meistert er in bester Entertainerqualität seinen Auftritt  mit Roger Cicero. Detlef Raschke steuert dem in jeder Weise gelungenem Duett  ein latin-jazziges Querflötensolo bei.

NEW YORK NEW YORK war der letzte Welthit  von Sinatra, ein kompositorischer Geniestreich des Cabaret-Teams Ebb/Kander. Zu diesem Song holte sich Cicero  als Duettpartner  Xavier Naidoo. Hier sind die Unterschiede der zwei Stimmen noch größer als bei den Duetten mit Sasha. Ich bin überrascht, wie gut Naidoo mit seiner unverwechselbaren Stimme einen definitiven Entertainersong  singt – für ihn doch eher ein untypisches Genre.

Beide Künstler  ergänzen sich hervorragend in einer energiegeladenen Version, die mit zweifacher Stimmpracht glänzt und die im mittleren Teil  mit leicht angefunkten Cicero-Vokalen und einem wuchtigen Arrangement  in eine modernere Gangart umgeleitet wird  – um später dann wieder mit all den klassischen „Showsong-Insignien“ äußerst effektvoll zu enden. Wie sehr das gefällt,  hört man am Applaus.

Der Jim Croce-Fetzer  „Bad Bad Leroy Brown“ wird von allen Gaststars und Cicero sozusagen als Finale gemeinsam in einer Art überschäumender Pop-Soul Version dargeboten. Das Sax-Solo von Gabriel Coburger passt perfekt.

Bluesmäßig im Sound beginnt Ciceros Version von Sinatras Signatursong MY WAY. Das Arrangement  erinnert sofort an den Cicero-Song FÜR’NEN KERL, den er auf seinem Album „Artgerecht“ seinem Sohn widmete. Es kommt wohl nicht von ungefähr, dass er für einen „Bekenntnissong“  wie MY WAY dieses Arrangement wählte  und damit auch an FÜR’NEN KERL erinnern möchte….
Bei diesem Song mit dramatischen Melodiebögen und großem Tonumfang ist nun wirklich „Stimme“ mit Kraft und allen Klangschattierungen gefordert. Mit diesem letzten Song des Konzerts, gelingt es Roger Cicero, ein weiteres Mal sich in seiner intensivsten Form zu steigern und vielleicht überzeugt er mit dieser Version sogar am stärksten.
Der Schlagzeuger Matthias Meusel setzt starke Akzente, das Bläserarrangement klingt durchgehend bluesig – schon allein dadurch unterscheidet sich das Stück vom Streicherschmelz der Sinatra-Version. Cicero bleibt bei „My Way“ jedoch tatsächlich gesanglich „näher an Sinatra“ als bei manchen anderen Songs dieser Live-CD, denn eine Melodie mit dieser Ausdehnung kann ohne ein gewisses Pathos kaum intoniert werden. Ciceros Version von MY WAY enthält eine gute Portion Pathos  und Empathie. Dazu trägt bei, dass in seine Interpretation immer auch diese cicero-typische Energie  strömt , welche seine Stimme letztendlich so unverwechselbar und charismatisch erscheinen lässt.
„Cicero Sings Sinatra“  übertrifft übrigens nicht meine Erwartungen, weil ich Ciceros Alben  seit  Jahren kenne und besonders die hohe Qualität seiner Livekonzerte schätze: Ich wusste immer, dass bei entsprechendem Material ein solch  fantastisches Album entstehen kann, wie es nun vorliegt. Das habe ich Cicero und seiner „fantastischen  Bigband“  schon immer zugetraut. Was Roger Cicero mit dieser Sinatra-Hommage tat, war auch, mit seiner eigenen, energievollen Neugestaltung der Songs, Sinatra seine Ehre zu erweisen, aber fernab von nostalgischer oder idol-glorifizierender Gefühlsduselei.

Gleichzeitig ist klar, dass ein solches Albumprojekt bei dem der Schatten des verehrten, ikonischen  Künstlers immer die Namen der ausführenden Künstler  dominiert, natürlich polarisiert und es deshalb  mit einer  angemessenen Wertschätzung  immer  kompliziert sein wird.

Für mich selber kann ich nur sagen: diese glanzvolle Sinatra-Hommage voller Hingabe hat meine uneingeschränkte  Wertschätzung!

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