Köln -Ein Samstagabend, 50.000 Menschen in Müngersdorf, Flutlicht, gute Stimmung – und am Ende steht wieder einmal das, was man inzwischen fast schon Kölner Traditionsergebnis nennen könnte: ein 1:1, bei dem mehr drin gewesen wäre, wenn der FC nur wie in den ersten dreißig Minuten weitergespielt hätte. Aber warum sollte es diesmal anders laufen als in den letzten Wochen? Der 1. FC Köln lässt Werder Bremen wieder einmal ungeschlagen aus Köln entkommen.
Der Traum vom Sieg – und wie er wieder zerbröselte
Vier Wechsel in der Startelf, ein früher Elfmeter nach Handspiel von Youri Regeer – Thijs Dallinga tritt selbst an, scheitert aber an Karl Hein. Kein Beinbruch, denn drei Minuten später macht es Linton Maina besser: Krauß erobert den Ball nach einem Bremer Fehlpass, bedient Skhiri, der wiederum Maina bedient, und der schließt trocken zum 1:0 ab. Die Kulisse tobt, der FC spielt mutig nach vorne, Krauß und Moore setzen weitere Nadelstiche – kurzum: Es sieht nach einem gepflegten Fußballabend aus.
Nur leider kennen wir dieses Drehbuch inzwischen zur Genüge. Nach etwa einer halben Stunde übergibt der FC die Initiative offenbar freiwillig an den Gegner, so wie er es in den vergangenen Spielen ebenfalls schon getan hat. Was in der Kabine an der Pause noch richtiggestellt schien – der FC ging ja immerhin verdient mit 1:0 in die Pause –, hält der zweiten Hälfte nicht stand.
Latte, Nachschuss, Ausgleich: Bremen bedankt sich für die Einladung
Kaum ist der zweite Durchgang angepfiffen, übernehmen die Bremer das Kommando. In der 59. Minute rettet die Latte den FC nach einem Kopfball von Eren Dinkci – Glück, das man sich in dieser Phase redlich erarbeitet, nur eben nicht durch eigenes Zutun. Die Erlösung für Bremen folgt in der 70. Minute: Ein abgewehrter Kopfball von Niclas Füllkrug landet ihm quasi selbst vor die Füße, und der Nationalstürmer bedankt sich artig für die zweite Chance. 1:1 – und plötzlich ist alles wieder offen, was zur Pause so klar aussah.
Immerhin: Ganz kampflos gibt sich der FC nicht geschlagen. Mikey Moore zieht sich mehrfach durchs Zentrum und prüft Hein, ein Freistoß von Isak Johannesson und ein Distanzschuss von Marius Bülter sorgen noch für Gefahr. Am Ende bleibt es beim 1:1 – ein Ergebnis, das man angesichts des Spielverlaufs als „irgendwie gerecht“ bezeichnen muss, auch wenn das für Kölner Ohren wehtut.
Die Fan-Wahl: Maina vorn, aber ohne große Freude
Nach dem Spiel durften die Fans in der FC-App abstimmen, und mit 37 Prozent der Stimmen setzt sich standesgemäß Torschütze Linton Maina durch, seiner Rückennummer angemessen. Dahinter folgen Ellyes Skhiri (26 Prozent), Torhüter Marvin Schwäbe (19 Prozent) und Mikey Moore (18 Prozent). Maina selbst zeigt sich zufrieden mit seiner persönlichen Form, betont aber, dass ihm ein Sieg lieber gewesen wäre als das eigene Tor – ein Satz, den man ihm nach diesem Spielverlauf nur zu gut abnimmt.
Die Perspektive aus der Nordkurve: Dritte Halbzeit in Folge mit Ablaufdatum
Wer die Kurve nach dem Abpfiff beobachtet hat, konnte spüren: Die Geduld bröckelt. Zum dritten Mal in Serie reicht es dem Team nur für etwa eine halbe Stunde überzeugenden Fußball, ehe die Mannschaft die Kontrolle aus der Hand gibt. Für eine Bundesligamannschaft schlicht zu wenig – zumal die 45.000 FC Fans auf den Rängen bis zum Schluss unermüdlich anfeuern, ohne dass sich das im Spielverlauf entsprechend niederschlägt.
Kritisiert wird vor allem die fehlende Kommunikation auf dem Platz, die Zahl der Fehlpässe und frühen Ballverluste sowie die häufig sinnlosen Flanken in einen Strafraum, der oft schlicht nicht besetzt ist. Auch im Angriff bleiben Fragen offen: zu wenig Zielstrebigkeit, zu wenig Struktur, wenn der Strafraum dichtgemacht ist.
Die Stimmen zum Rasenevent in Müngersdorf
@buedchenmicha: „Meistens ist nur 30 Minuten gut zu spielen einfach zu wenig. Stimmung nach dem Spiel gerade wie auf dem Friedhof.Kölsch schmeckt auch nicht“
Der SVW Fan beim Tennis: „ die Kölner hätten das eigentlich gewinnen müssen. Wir waren viel schwächer als gegen Leipzig. Ich bin glücklich über den Punkt“
@beyermarc :“…. es bestehen nach wie vor Zweifel an der Kompetenz von Wagner! Er hat es bisher in keinem einzigen Spiel was er betreut, geschafft das sein Team 90 Minuten Fußball spielt und alles gibt….problematisch!
Fazit: Halbzeit eins zum Genießen, Halbzeit zwei zum Vergessen
Bleibt die Erkenntnis, die man in Köln inzwischen fast schon abonniert hat: Für 30 gute Minuten gibt’s Applaus, für den Rest gibt’s Kopfschütteln. Wer als Trainer in seiner ersten Saison noch am eigenen Matchplan feilt, dem sei zugestanden, dass nicht jede Findungsphase reibungslos verläuft. Nur langsam wird es Zeit, dass aus den vielversprechenden Ansätzen auch mal 90 Minuten werden – sonst bleibt am Ende der Saison von diesem 1:1 nur die Erinnerung an eine vertane Chance. Ich freue mich trotzdem, wenn es gegen den HSV auswärts wieder heißt. Come on Effzeh!
So standen die Teams auf dem Müngersdorfer Grün
1. FC Köln :Schwäbe – Castro-Montes (64. Sebulonsen), Simpson-Pusey, Lochoshvili, Mensah – Skhiri, Krauß (90. Okon-Engstler) – Maina (64. Johannesson), Moore (74. El Mala), Bülter – Dallinga (64. Ache)
SV Werder Bremen: Hein – Deman, Pieper, Arthur, Friedl – Reis, Regeer – Chuki, Dinkci, Grüll – Füllkrug
Tore: 1:0 Maina (11.), 1:1 Füllkrug (70.)





































































