Formel1 GP Australien auch zweites Training liefert kaum Erkenntnisse

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Köln- Schnellster im ersten Training beim Saisonauftakt der Formel1 in Melbourn war Ferrari.Doch die Scuderia schaffte es dann nicht, auch im zweiten Umlauf ein deutliches Zeichen zu setzen. Es stehen eher eine Menge Fragezeichen im Raum, denn auch das zweite Training beim Grand Prix von Australien in Melbourne liefert kaum neue und erfreulichere Visionen für uns Motorport Fans.

Die Begeisterung auf eine grandiose Formel1 Saison 2014 will nicht so richtig in Gang kommen. Wie schon bei den Testläufen in Jerez und Bahrein – alle Teams hängen nach wie vor mit den Augen in erster Linie – auf den Computermonitoren. Der Blick auf die Piste und auf den Fahrer entfällt. Schulterklopfen oder eine – das war es doch Mentalität- bei den Boxen Crews zeichnet sich auf den Gesichtern nicht ab. Ein achtziger Glanz auf den Augen, ist sowohl bei den Fahrern, als auch bei den Technikern nicht zu erkennen. In allen Formel1 Garagen der Boxengasse des Albert Park in Melbourne kämpfen die Mechaniker und Ingenieure nach wie vor mit den technischen Problemen ihrer Power Units herum.

Auf mich den TV Zuschauer überträgt sich der Zweifel der Teamchefs, die gerade in der internationalen Pressekonferenz sitzen. Zuversicht und Optimismus sieht anders aus.

Aus allen Lagern, ob McLaren,Mercedes,Ferrari, Red Bull  oder Williams, verlautet der Tenor – „Es ist eine komplexe Technik und wir haben noch viel darüber zu lernen.“ Ob Claire Williamns, Toto Wolff oder Eric Boullier, alle sehen die neuen Regeln für Qualifying und Spriverbrauch als sehr komplex. Motor, Reifen, Energierückgewinnung und Benzinverbrauch hängen wie ein Damokles Schwert über den Teams.

Keiner will sein Gesicht verlieren und zugeben komplett überfordert zu sein. Lediglich ein Bekenntnis lassen sie sich abringen: Die Fahrer müssen enorm viel mehr leisten als in der vergangenen Saison.

Zur Technik selbst erfahren wir nur allgemeines Geblubber. Es scheint nicht nur so, sondern es ist so – die Formel1 definiert sich gerade neu. Aus meiner Sicht ist es keine Fahrer WM sondern eine Ingenieurs und Technik WM.

Ich zweifle ob das wirklich noch die Königsklasse des Motorsport ist. Ich will keine Technik WM sehen. Letztlich entscheiden wir Zuschauer, ob wir unsere Faszination bewahren können. Allein das ich darüber nachdenke sagt doch eigentlich alles.
So lange ich zurück denken kann, befiel mich das Formel 1 Fieber immer nach den Frühjahrs Tests. Jahr für Jahr konnte ich das erste Rennen der Saison kaum erwarten.Das war in Schumi Jahren ein echter Hunger und Ungeduld bis die Startampel ausging. Zwei Stunden Aufregung mit roten Backen bis die Zielflagge runterging.

Bei mir ist die Spannung nach den Bahrein Tests bereits auf den Nullpunkt gesunken. Auf der nach oben offenen Begeisterungsskala für die Königsklasse Motorsport steht mein Zeiger heute auf Position Null.

Das neue Regelwerk erinnert mich an die Schilder auf deutschen Autobahnen in den 80ern.“Fahr vorsichtig.Komm gut an! Denk an deine Familie!“ Im Qualifying müssen die Fahrer in der Folge rasen um einen guten Startplatz zu bekommen. Eigentlich ist das Qualifying letztlich nur Augenwischerei für die zahlenden Gäste auf den Tribühnen der Rundkurse.

Denn im Rennen richtet sich der Blick nicht mehr auf die Piste und die Curbs oder in den Rückspiegel, sondern eher auf die Benzinanzeige.
Damit der Formel1 Bolide die Ziellinie erreicht muss ggf. der Fuß vom Gas, denn wenn der Tankinhalt nicht bis zur schwarz weiß karierten Flagge reicht, ist der Spaß vorbei. Egal ob dein Motor besser ist, oder du als Fahrer schneller bist. Willst du dein Ziel erreichen, halte deine Instrumente im Auge!

Von den Reifen der Elektro Formel1 haben wir noch gar nicht gesprochen. Das dürfte nur Pirelli freuen, die zum ersten Mal in der Formel1 Geschichte nicht sofort in der Schusslinie stehen. Aber klar ist, wer elektrisch und Benzin sparend unterwegs ist, der kann ja nicht viel Reifen verbrauchen.

Wer auch immer sich das neue Regelwerk ausdachte, um die Formel 1 Salon fähig zu erhalten, ich kann den Sinn nicht verstehen und nachvollziehen. Rackes ist Rackes.Und ein Rennfahrer braucht eine Technik die Vollgas ermöglicht. Ein Hammer Motor mit endlos viel PS. Eine Top Fahrwerksabstimmung und Abtrieb, um in die Kurven rein zu fliegen was das Zeug hält. Das ist für mich Motorsport.

Und ob ein Spareffekt bei der Entwicklung für die Formel1 Teams entstanden ist, wage ich zu bezweifeln. Die Entwicklung der Elektro Formel1 Autos steht ja erst am Anfang und doch stöhnen die Teams auf der Hinterhand bereits über die Kostenexplosion.

Die Fahrer stöhnen über die neue Technik nur heimlich still und leise. Sie denken sich ihren Teil. Die Gesichter von Vettel, Rosberg, Sutil oder Kimi Räikkönen sprechen Bände. Willst du weiterhin Kohle in der Königsklasse verdienen, dann sag besser nichts und mach gute Miene zum bösen Spiel.

Der Sieger der Motorsport Saison 2014 steht für mich jetzt schon fest. Das ist Mark Webber, der in diesem Jahr, statt sich bei Red Bull mit Elektro Units herum zu ärgern, mit seinem herrlich röhrenden Porsche Motor Vollgas ohne Ende geben kann. So unter anderem bei den 24 Stunden von Le Mans.

„Wo wir stehen werden wir nach dem Rennen sehen“, so Ferrari Teamchef Stefano Dominicalli, der sich über die schnellste Runde von Fernando Alonso im ersten Training freute. „Auch mit der  Zeit und der Position von Fernando im zweiten Trainig sind wir zufrieden. Das Team und die Fahrer müssen noch viel lernen.“ Danach legt er die Hände vor das Gesicht, mühsam ein Gähnen unterdrückend, weil er gezwungen ist, seinen eigenen Vortrag, so an die sechs mal nur in etwas anderer Form noch mal vorgetragen zu verfolgen. Shit happens! Ferrari Boss Montezemulo will Siege. Der Mercedes Vorstand erwartet 2014 den Titel. Die Bosse wollen viel, doch deren Wille und Überzeugung scheint noch nicht bis unten vorgedrungen zu sein. Hier sitzt kein wirklich überzeugter Teamchef vor der Presse.

Das war in den Vorjahren anders. Das sah man immer ein verschmitztes Lächeln beim Red Bull Teamchef, der immer ein Quantum Vettel im Hinterkopf hatte. Das ist gelinde gesagt inzwischen kaum etwas wert, denn in erster Linie liegt alles in der Hand der Ingenieure.

„Die Lücke an die  Spitze ist noch sehr groß“, meint Christian Horner von Red Bull nicht gerade strahlend. Dabei hatte Sebastian Vettel seinen 6 Zylinder Turbo zum ersten Mal unter die Top 5 im Zeiten Tableau untergebracht. Das zeigt zwar, das man bei Red Bull zwischen Bahrein Test und Australien zugelegt hat. Und doch will und kann er über Fortschritte bei den Renaults nichts sagen. Und Platz fünf ist nicht Platz eins.
Bei Lotus Renault schweigt man sich aus und redet auch nur um den heißen Brei.Die Flunder will nicht. Grosjean verbrachte die meiste Zeit in der Box statt auf der Piste. Bei Williams ist der Optimismus nach den Tests in Bahrein verflogen.

Draußen im Park geben die Fahrer ihre Statement ab. Was sagt denn Kimi zum Ferrari und seiner Sekunde Abstand zu Hamilton?

Der Iceman ist gewohnt kurz angebunden:“Natürlich wollen wir gewinnen, aber ich weiß nicht wie stark wir wirklich sind. Das kann man nur sehr schwer beurteilen. Wir sollten ein paar Rennen abwarten.“

Oh ???? Also auch für Kimi steht vor der neuen Saison ein Fragezeichen. 100 Kilogramm Spritlimit. Im Albert Park Melbourne ist der Spritverbrauch bekannt hoch und Kimi meint gegenüber der Presse ob er sich denn im Ziel vorne sehe:“Ob der Sprit reicht, gehört zu den Dingen, die man nicht vorhersagen kann. Wir haben es bei den Tests ausprobiert, aber das Rennen ist eben etwas anderes.“

Tja. Ist das jetzt eine spannende Aussage? Alonso war die berühmte Sekunde besser.Kann der Finne nachlegen? Er macht nicht den souveränsten Eindruck. Klar. Er ist der große Schweiger gegenüber den Medien. Und doch. In den Vorjahren konnte man auch in seinem Gesicht schon mal so etwas wie Zuversicht erkennen.

Ich bin gespannt wie Ferrari & Co morgen im Qualifying abschneidet.Dann sehen wir weiter.

Das waren die Zeiten im 2. Trainigslauf im Albert Park Melbourne:

1 Lewis Hamilton (T) Mercedes AMG Mercedes P 1:29.625 37
2 Nico Rosberg Mercedes AMG Mercedes P 1:29.782 + 0.157 31
3 Fernando Alonso Ferrari Ferrari P 1:30.132 + 0.507 28
4 Sebastian Vettel Red Bull Renault P 1:30.381 + 0.756 41
5 Jenson Button McLaren Mercedes P 1:30.510 + 0.885 33
6 Daniel Ricciardo Red Bull Renault P 1:30.538 + 0.913 38
7 Kimi Räikkönen Ferrari Ferrari P 1:30.898 + 1.273 32
8 Valtteri Bottas (T) Williams Mercedes P 1:30.920 + 1.295 38
9 Kevin Magnussen McLaren Mercedes P 1:31.031 + 1.406 34
10 Nico Hülkenberg Force India Mercedes P 1:31.054 + 1.429 33
11 Jean-Eric Vergne Toro Rosso Renault P 1:31.060 + 1.435 35
12 Felipe Massa Williams Mercedes P 1:31.119 + 1.494 31
13 Sergio Pérez Force India Mercedes P 1:31.283 + 1.658 36
14 Adrian Sutil (T) Sauber Ferrari P 1:32.355 + 2.730 36
15 Esteban Gutierrez Sauber Ferrari P 1:32.468 + 2.843 26
16 Daniil Kvyat Toro Rosso Renault P 1:32.495 + 2.870 36
17 Jules Bianchi Marussia Ferrari P 1:33.486 + 3.861 29
18 Romain Grosjean Lotus Renault P 1:33.646 + 4.021 12
19 Max Chilton Marussia Ferrari P 1:34.757 + 5.132 29