Roger Cicero mit Kontemplation auf der Jazzroad

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Köln- The Roger Cicero Jazz Experience Live 2013 im Kulturzelt Wolfhagen. Roger Cicero hat sich in diesem Jahr mit seinen Jazzkonzerten in kleiner Besetzung sicher wieder einen persönlichen Wunsch erfüllt. Seine letzte Jazz+Soul „Solotour“ mit Pianist Lutz Krajenski war im Oktober 2010. Also war es an der Zeit, sich wieder in Livekonzerten seiner besonderen Liebe, dem Jazz zu widmen.

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Begleitet haben ihn diesmal seine Freunde aus der „After Hours“ Formation, Hervé Jeanne, bass, Matthias Maze Meusel, drums – (beide sind auch seit 2006 Mitglieder seiner Big Band) und Pianist Maik Schott. Er ist seit Ciceros aktueller Big Band Tour „In diesem Moment“ mit dabei . Wie sich durch die große Konzerttour gezeigt hat, ist er eine qualifizierte, souveräne, und deshalb fraglos ideale Nachfolge von Lutz Krajenski.

Für diese kleine Jazz-Tour, die ihren vorläufigen Abschluss bei den Leverkusener Jazztagen am 13. November 2013 haben wird, wurden von Roger Cicero viele Songs ausgewählt, die man nicht unbedingt im reinen Jazzrepertoire verortet.

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So sind „No Moon At All, Moody’s Mood For Love und Benny’s From Heaven“ die einzig typischen Jazzkompositionen. Daneben interpretiert Cicero in der Überzahl Songs von James Taylor, Amos Lee, Nick Drake, Van Morrison Paul McCartney, Bob Marley und Stevie Wonder. Dies sind sicher keine Namen die man ausschließlich mit Jazz verbinden würde. Hinter dem Song „Traubert’s Blues“ verbirgt sich eine spezielle Version des Traditional „Waltzing Mathilda“. Tom Waits hat hier das australische Volkslied – inzwischen die heimliche Nationalhymne – mit eigenem, düster-schwermütig-pessimistischem Text versehen.

Offensichtlich ist, dass Roger Cicero seine Songs nicht nur nach Jazzmelodik und Jazzattributen ausgewählt hat. Es war wohl sein Impuls und Bedürfnis, diese Songs mit seiner Stimme, seiner Vorstellung von Interpretation in einer ganz anderen, eigenständigen, mehr Jazz-als-Folk inspirierten Version vorzustellen. Wie wichtig ihm diese bewusst ausgesuchten Songs sind, merkt man, wenn man die aussagekräftigen Texte und deren ernste Inhalte etwas beleuchtet. Dazu komme ich später, wenn ich auf einzelne Songs näher eingehe. Ich habe zum Teil mir wichtig scheinende Passagen der Texte – meistens ist es nur ein Satz – ins deutsche übersetzt, und manchmal daneben auch englische Textauszüge gestellt. Aber alle Lieder wurden von Rogerv Cicero englisch gesungen.

In diesem Konzert habe ich durch die mit großer Subtilität gesungenen Balladen – obwohl sie im Programm im Ausgleich mit rhythmischen Songs stehen – eine fast vorherrschende Stimmung von Nachdenklichkeit, Selbstreflexion und auch künstlerischer Reife empfunden, wie ich sie noch bei keinem anderen Roger Cicero Konzert erlebt habe. In langen, sich sehr ausbreitenden Songs wie „From the morning“ und besonders „Waltzing Mathilda“ erreicht Cicero ohne prätentiös zu werden eine kontemplative Ausdrucksstärke, die beeindruckend ist.

Eröffnet wurde das Konzert mit dem Jazzklassiker „No moon at all“. Ein schön swingender Titel, dessen moderne, lässige Eleganz zahlreiche Interpreten von Ella Fitzgerald, Nat King Cole bis hin zu Keith Jarrett oder Brad Mehldau zu schätzen wussten. Von Cicero wurde er bereits 2005 auf seinem After- Hours- Album „There I go“ eingespielt und er hat ihn seitdem immer gerne auf seinen Jazzkonzerten gesungen.

Mit dem zweiten Song des Abends betritt Cicero mit „Shower the people“ schon die Ebene der Songwriter. James Taylor hat den Song mit der einfachen aber letztlich auch wichtigen Botschaft geschrieben: „Überschütte die Menschen die du liebst mit deiner Liebe. Die Dinge werden gut laufen,wenn du ihnen zeigst, wie deine Gefühle sind. Dinge werden besser laufen, wenn du nur willst“ Und immer wieder wird die Zeile „Shower the people you love with love- Show them the way that you feel“ wiederholt. Eine sanfte 70er Ballade von Taylor’s Album „In the pocket“ im Folk-Style, die natürlich durch Ciceros Interpretation und in Begleitung seiner Musiker den jazzigen Touch erhält.

„Moody’s Mood“ folgt und gehört neben „No moon at all“ zu den zwei Songs des Abends, die er schon öfter live gesungen hat – alle anderen Songs in diesem Konzert wurden von ihm und seinen Musikern neu arrangiert und so vorher noch niemals gehört. Der Song, zu dem Eddie Jefferson, (1918-1979) Gründer der Vocalese, einen Text schrieb, ist eigentlich ein Duett. Indem Cicero sowohl den männlichen als auch weiblichen Gesangspart intoniert, kann er gut die klangliche Vielfarbigkeit seiner Stimme arbeiten lassen – z. B. beim weiblichen Part seine gut trainierte Kopfstimme einsetzen, sich in hohen Stimmausbrüchen winden und dabei noch zusätzlich mit betont „weiblichen“ Gesten das Publikum erheitern. „Moody’s Mood“ ist so etwas wie der definitive Jazzsong. Das beständige und schnelle Auf und Ab der Melodie, der Wechsel der Tonlagen, könnte leicht bei anderen Sängern zum bloßen Sprechgesang mutieren, wären da nicht Ciceros raffinierten Nuancierungen in seinen Noten und über allem seine wunderbare, melodische Jazzphrasierung.

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Der vierte Song „Keep it loose“, wurde geschrieben von Amos Lee. Seine Zusammenarbeit mit Norah Jones verhalf ihm zu schneller Popularität. Die Melodie ist klar und einprägsam, weil sie sich in Teilen oft wiederholt. Der Song baut sich in Ciceros Version zunächst langsam auf, gewinnt an Intensität und erhält nach einem Instrumentalteil eine immer eindringlichere und mitreißende Steigerung. Nicht nur dem lautstarken Applaus nach zu urteilen, gehörte diese erst sanfte und dann stürmische Ballade zu den Highlights des Abends. Es war weniger Jazz sondern mehr eine überzeugende Mischung von Pop und Folksong. Und man glaubt Cicero, wenn er energisch und aufgewühlt singt:
Nun, Beziehungen ändern sich, oh, ich finde es hat etwas Seltsames, dass man nur durch Geld aufsteigen kann. Manche behaupten, wenn man genug Ruhm erlangt, schwebt man auf einem Regenbogen…auf einem Regenbogen….Sometimes we forget who we got, who they are.“¨Oh, who they are not. There is so much more in love, than black and white. Keep it loose child,“¨gotta keep it tight. Keep it loose child, keep it tight.

Viel Zeit nimmt sich Roger Cicero für seinen fünften Song: „From the morning“ Nick Drake, der Schöpfer dieses mystisch anmutenden Songs voll visionärer Romantik wurde nach seinem frühen Tod von der Musikkritik wie ein Heiliger behandelt und geehrt. Drake neigte zur Schwermütigkeit und setzte seinem Leben 1974 mit einer Überdosis Antidepressiva ein Ende – er war gerade 26 Jahre alt.

Roger Cicero steigt mit leisen textfreien Vokalismen in den Song um sich in die Stimmung des Songs einzufinden… .dann beginnt er zu singen: A day once dawned, and it was beautiful. A day once dawned from the ground, then the night she fell..and the air was beautiful. The night she fell all around..“ .

Das Lied beschwört mit schlichter, klarer Melodie ein sehnsuchtsvolles Stimmungsbild. Cicero betont die meditative Grundstimmung und zelebriert ein fragiles Musikstück voller Magie. Dazu lässt Maik Schott helle und gemischte, zarte und wuchtige Pianotöne erklingen, deren Akkorde Ciceros Gesang wie Wellenspiel tranceartig anmutend umhüllen. Nach einem Instrumentalteil in dem Hervé Jeannes prägnante Basslinien dominieren, findet das über siebenminütige Stück langsam ein Ende – und Cicero singt sich wieder mit wortloser, vokaler Ornamentik aus dem Song. Das Stück kann man als entrückte Ode an Leben, Werden und Lernen verstehen. „And go play the game that you learnt from the morning“.

Letztlich geht es bei „From the morning“ um den ewigen Kreislauf, den wichtigen Zwischenraum von Geburt und Tod bewusst wahrzunehmen – nichtsdestotrotz vermittelt der Song auch eine gewisse esoterische Traumverlorenheit. Ich möchte noch bemerken, dass Roger Cicero sicher schon lange von Nick Drake fasziniert war. Sein Album „Good Morning Midnight“(2006) mit dem Julia Hülsmann Trio enthält eine hervorragende Version des Nick-Drake-Songs: „Riverman“ .

Nach soviel musikalischer Besinnlichkeit und textlicher Tiefgründigkeit ist es Zeit für ein Uptempo-Titel. Mit „Moondance“ dem sechsten Song, ist Roger Cicero wieder im Fahrwasser seiner energievollen, charismatischen Gesangsexkursionen: und wieder erweist er sich als Meister der vokalen Improvisation. Dabei hat der von Van Morrison geschriebene Song zwar ein ungemein swingende, aber doch auch eher unkomplizierte, schnell zum Fingerschnippen auffordernde Melodie. So avancierte der nach geradezu Big Band schreiende Song schnell zum Jazzstandard und wurde von zahllosen Interpreten „“ wie z. B. Michael Bublé – aufgenommen. Der hat ihn sofort gecovert, und herausgekommen ist eine perfekt arrangierte Aufnahme, im dem lässig poliertem Bublé-Croonerstyle, die aber keine kreativen Überraschungen bietet – was ja auch den fast global zu nennenden Erfolg von Bublé ausmacht: immer entspannt, lässig, vorhersehbar und unbedingt wohlklingend. Was nicht heißen soll, dass er sich schlecht anhört.

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Bei Roger Cicero sieht das ein wenig anders aus: In der langen Nummer glänzt Cicero, mit einer umwerfend dynamischen Scateinlage, die durch’s gesamte, reiche Klangspektrum seiner Stimme jagt. Egal wie vertrackt seine Scat-Rhythmen auch sind: sein Timing und seine stimmliche Flexibilität meistern schwierigste Melodienbögen oder abrupte Oktavensprünge. Mit traumwandlerischer Sicherheit und rasantem Tempo gebietet er jeder Note, egal wie hoch, tief, weich, hart, grummelnd oder zischend ihre einzig richtige Position. Einen brillanteren Scatvokalisten habe ich unter deutschen Sängern bisher noch nie gehört.

Darüber sollten sich die Juroren des Jazzecho auch einmal informieren, bevor sie mit Michael Schiefel in diesem Jahr einen Sänger auszeichneten, der mit Einsatz (oder Hilfe) der Looping Machine im Stande ist, eine bizarre Stimmenvielfalt zu erzeugen, und darüber einige, bewusst dürftige Vokalisen improvisiert – im Ansinnen, diese als innovativ vorzustellen. (übrigens hat das Bobby McFerrin bereits vor über 25 Jahren und ohne Looping Machine witziger und und musikalischer gemacht.) Im Gegensatz zu Michael Schiefels verkrampft pseudoavangardistischer Stimmakrobatik klingt Ciceros Scatgesang „“ und nicht nur der – geradezu beispielhaft vollendet.

„Moondance“,eindeutig ein weiterer Höhepunkt im Konzert, wurde von Cicero vom swingenden Leichtgewicht, zum total jazzlastigen, über siebenminütigem Schwergewicht mit furiosen Improvisationen in allen Schattierungen verwandelt. Er vermeidet jegliche gesangliche Gleichförmigkeit und liebt das Wechselspiel der vokalen Klangfarben. Damit befindet er sich auf gleichem Niveau mit Bobby McFerrin, der ebenfalls eine sehr spannende und eigenständige Version von „Moondance“ aufnahm.

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Mit Song Nummer sieben „The long and winding road“ hat Cicero sich wieder ein Stück mit traurigem, beinah schmerzbewegtem Inhalt ausgesucht: “ Die stürmische, aufgewühlte Nacht, die der Regen schließlich fortgespült hat, sie hat einen ganzen See voller Tränen hinterlassen, so schmerzlich habe ich den Anbruch des Tages herbeigesehnt. Warum lässt du mich hier draußen stehen? Zeig mir den Weg zu dir. Ich war schon so oft allein und habe geweint. Was soll“™s „“ du wirst nie erfahren, wie viele Irrwege ich gegangen bin. Am Ende führen sie mich doch wieder auf jene lange und kurvenreiche Straße zurück, wo du mich vor langer Zeit hast stehen lassen. Lass mich dort nicht warten, sondern zeig mir den Weg heim zu dir.“

Paul McCartney hat den Song bereits 1968 geschrieben, bevor er 1970 auf dem letzten Beatlesalbum „Let it be“ erschien und schnell ein Klassiker wurde. Auch diesem populären Song hat Roger Cicero mit seiner Version einen anderen Stempel aufgesetzt. Er interpretiert es nicht ausgesprochen gefühlsbetont, was der Text vermuten könnte, sondern mit einer gewissen Distanz, die aber durchaus Sehnsucht, Angst vor Einsamkeit oder verlorene Liebe spürbar macht.

„Is this love“ singt Cicero als achten Titel. Nach dem Nick-Drake-Song hier noch einmal ein berühmtes Stück einer früh verstorbenen Legende – Bob Marley (1945 „“ 1981) Ein leichter, fröhlicher Song, diesmal mit der einfacher Aussage: „Ich lege meine Karten auf den Tisch, ich möchte dich lieben, ich möchte dich lieben und richtig behandeln, ich will dich jeden Tag und jede Nacht lieben. Wir werden gemeinsam unter einem Dach leben, wir teilen uns mein schützendes Einzelbett, wir teilen das gleiche Zimmer, Gott gibt uns Brot …“
Bei Bob Marley ist das natürlich ein waschechter Reggae – Ciceros Version ist aber voller Funk und hartem Groove. Es „fetzt“ buchstäblich- und wäre es kein „Sitz“- sondern ein „Steh“-Konzert – der Saal hätte gerockt.

Mindestens ebenso groovig geht es mit „Boogie on“, von Stevie Wonder 1974 geschrieben, weiter.
Der funkige Titel wird ein lange heiße Nummer, und erhält am Ende seinen großen Reiz in der spannungsgeladenen Wiederholungsschleife, begleitet von Matthias „Maze“ Meusels exquisit- schlagkräftigen „beats and drums“ und begeistertem Mitklatschen.

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So wie das oft schon Prinzip bei Stevie-Wonder-Songs ist – frei nach der Devise: man kann von diesem Sound einfach nicht genug bekommen. Da erhoben sich auch tatsächlich einige wenige von den Hardcore-Cicero-Fans von ihren Stühlen, und sendeten Aufforderungsgesten an das brav sitzende Publikum. Aber bevor dieses Vorhaben fruchtete, da ist der Song leider vorbei. Es war der letzte Song, so hatte Cicero vorher verkündet.
Ungläubig schauen wir auf die Uhr. Es waren bisher neun Songs „“ nicht sehr viel für ein abendfüllendes Konzert – aber die gefühlte Kürze spricht für die hohe Qualität. Außerdem hat man nicht wirklich wahrgenommen, dass einige der Stücke immerhin über sieben Minuten dauerten.
Klar, dass ohne Zugabe keiner die Bühne verlassen konnte. Es folgte eine schöne Swingnummer „Benny’s from Heaven“. Eigentlich geht es musikalisch um „Pennie’s from heaven“, geschrieben vom berühmten US-Songwriter Johnny Burke, 1936. Eddie Jefferson, der Schalk, hatte eine Version des Songs mit „seinem“ witzigen Text eingespielt – und diese Version singt Cicero – scatten inclusive. Im Mittelteil zeigen seine Musiker noch einmal mit einer swingenden Jamsession, wie sehr sie im hausgemachten Jazz und Swing zuhause sind.

Dann singt Cicero zum Abschluss noch eine zweite, lange Zugabe die es in sich hat:
„TomTraubert’s Blues“ geht auf „Waltzing Mathilda“ zurück, einem australisches Traditional. Die Entstehung und alle Geschichten und diversen Versionen um den Song sind so komplex, dass erlaubt sei, hier den wikipedia link zur besseren Information einzufügen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Waltzing_Matilda.

Tom Waits versah „Waltzing Mathilda“ mit eigenem, tief desillusionierendem Text. Hier ein Auszug der deutschen Übersetzung:
http://www.golyr.de/tom-waits/songtext-tom-traubert-s-blues-196294.html

“ Ich bin ein schuldloses Opfer in einer Sackgasse. Und die ganzen Soldaten hier nerven mich nur. Keiner spricht Englisch, alles ist kaputtgeschossen, und meine Stiefel sind zu naß zum marschieren,zu naß um mit Matilda Walzer zu tanzen. Hunde bellen. Ein paar Taxis stehen hier „˜rum. Die helfen mir jetzt auch nicht mehr. Ich hab“™ Dich gebeten, mich zu erstechen. Du hast mein Hemdaufgerissen und mich dann liegen lassen. Auf den Knien, vollgesoffen mit Old Bushmills. Dann hast Du den Dolch wieder eingesteckt und mich weggeschickt, zur Army.
Du kannst jeden Matrosen fragen, jeden Gefängniswärter, jeden Krüppel in seinem Rollstuhl: die wissen“™s alle: Die Army ist schuld, dieses „Waltzing Matilda“, der Krieg bringt alle um und holt Dich überall ein. Wie ein alter kaputter Koffer, adressiert an ein Hotel irgendwo in Nirgendwo. Wie „˜ne Wunde, die niemals heilt. Matilda ist keine Prima Donna, sie riecht wie ein altes, dreckiges Hemd nach Blut und Whiskey. Ich sag“™ Gute Nacht. Gute Nacht den Straßenkehrern, gute Nacht den Laternenanzündern. Gute Nacht, Matilda.“

Zurückgenommen und trotzdem ausdrucksstark singt Roger Cicero diese tieftraurige, elegische Ballade, in der es um Krieg, Verlogenheit der Armee, Alkohol, Resignation und Verzweiflung geht. Seine umfangreiche Stimme überzeugt auch noch, wenn er gegen Ende das Mikro mal sinken lässt und ohne Mikro weitersingt und damit den melancholischen Kontext im Song verstärkt. Es ist gerade dieser Song, mit dem Cicero in dieser authentischen Darstellung eine unglaubliche Intensität erreicht und so bei mir noch lange nach dem Konzert nachwirkt.

Ich merkte, das Publikum war stark konzentriert, mucksmäuschen still, spürte die Magie des Augenblicks. Überhaupt waren die Besucher während des ganzen Konzerts vorbildlich, aufmerksam, applaudierten aber nach jedem Song anhaltend, anerkennend und begeistert um sich beim nächsten Song wieder still zu verhalten. Das hatte auch sein Gutes, zumal die meisten Songs des Konzerts auch ein so konzentriertes Verhalten verlangten.
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Eingangs schrieb ich über dieses Konzert von einer deutlichen Stimmung von Nachdenklichkeit, Selbstreflexion und künstlerischer Reife. Das habe ich auch deshalb so empfunden, weil Cicero die thematische Bindung an Inhalte und Aussage der Stücke so klar gestaltete.
Begleitet wurde Cicero von seinem Musikern vorzüglich – aber trotz einiger schöner Soli ragte er in diesem Jazzprogramm heraus und zeigte seine leidenschaftliche Kraft des Singens in stärkerer Dominanz als jemals zuvor.

© Werner Matrisch Köln

Weitere Konzerttermine Termine mit:
The Roger Cicero Jazz Experience Live 2013

22. 06. 2013 Rastatt (A-Jazz-Night – Open-Air )
16. 08. 2013 Jena (Kulturarena Jena)
31. 08. 2013 Berlin (18. Köpenicker Blues & Jazzfestival)
13. 11. 2013 Leverkusen (Leverkusener Jazztage)

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Die JAZZ CD/DVD- und Konzert Rezensionen von Werner Matrisch sind ein besonderes schöne Rubrik. Jazzie traf den Kölner Maler und Künstler Werner Matrisch "Homepage WernerMatrisch" bei einer Vernissage. Wir kamen ins Gespräch und entdeckten, das wir nicht nur eine gemeinsame Leidenschaft, die Malerei haben, sondern auch dem Jazz sehr zugetan sind.