Jazz Funk Soul Innovativ- Three Fall & Melane

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Melane
Melane

Köln-  Mit ihren ersten drei Alben und beeindruckenden Liveauftritten in Europa, Fern -und Naost hat diese erstaunliche Jazzformation sowohl bei Musikliebhabern verschiedenster Genres wie auch bei Jazzkritikern größte Begeisterung entfacht.

Mit ihrem vierten Album erweitern die drei Musiker nun ihr Spektrum: Auf dem aktuellen Album singt die kongolesisch-deutsche Soul-Sängerin Melane Nkounkolo. Mit ihrer warmen, wechselvollen Altstimme, starkem Jazz-und Soulfeeling, sowie ausgezeichnetem Timing verleiht sie der Struktur und dem Gesamtklang von “Three Fall” eine neue Farbigkeit.

Nach einem Intro, welches nahtlos von einem scharfen Sirenenton begleitet in den zweiten Song fließt, hat die Sängerin mit „Aint Nobody Got Time For That“ ihren ersten hochfunkigen Auftritt. Auffällig dabei das recht heftige Bläser-Arrangement, welches gleiche Tonfolgen ständig wiederholt und in dieser Dominanz ihren Gesang ein wenig aus dem Vordergrund drängt. Hört man dieses Stück könnte man denken, dass hier durch die obligatorisch wirkende RAP-Einlage ein einziges Mal auf diesem Album leichte Konzessionen an Mainstream-Geschmack inklusive gängigen HIP HOP gemacht wurde. Gut, dass es damit belassen blieb.

Denn bereits der vierte Song, Melanes Eigenkomposition „Tata Na Lola“ verdeutlicht in Gesang und Arrangement viel überzeugender das ungemein vielschichtige und ambitionierte Konzept der Formation „Three Fall“. Sie haben mit außergewöhnlichem Ideenreichtum und ihrer künstlerisch-technischen Virtuosität eine innovative Musik erschaffen, die absolutes Alleinstellungsmerkmal besitzt.

So ist auch „Tata Na Lola“ ein Mix vieler Klangwelten. Von afrikanisch bis karibisch besetzt, im instrumentalen Mittelteil überraschend jazz-sphärische Klänge, endet Melane dynamisch und leidenschaftlich im „quasi“-Duett mit den Bläsern.

Melane
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Man muss aber zu diesem Album und allen gesungenen Songs wissen: Es konnte nicht darum gehen, Melane Nkounkolo als ausgesprochene Solointerpretin vorzustellen. Wuchtige, kreative, aber auch sehr dominierende Arrangements verhindern eine bloße Zuwendung oder gar Fokussierung auf den Gesang. Zudem setzen die Arrangements bei allem schöpferischem Impuls total auf den Sound der Wiederholung gleicher Tonfolgen.

Das hat zumindest bei mir den Effekt, dass ich nach einigen Takten oft nur den Klang der Instrumente im Ohr habe, jedenfalls viel stärker als den Gesang. Jedoch ist die Art des Hörens auch eine Geschmackssache und abhängig davon, was man bisher gewohnt ist zu hören. Bei diesem Album konnte das Konzept nur sein, eine gleichberechtigte musikalische Einheit angzustreben – und das ist vorzüglich gelungen.

„Mòto Pamba“ wird angeführt von Posaune und anschließendem Klang vervielfältigter Posaunen. Beeindruckend was „Three Fall“ an soundtechnischen Möglichkeiten ausschöpft und am Mischpult so alles „zaubert“. Melane tritt bei diesem Titel in dem sich Afro-Folklore mit den virtuosen Jazzbläsern mischt, mit starker Stimme hervor – besonders wenn ihre eher dunkle Stimme sich in diesen Höhen verändert und einen gutturalen Klang bekommt, den man ihr zunächst nicht zugetraut hätte.

Das instrumentale Stück „LMNTS“ zeigt wohl am stärksten die Jazzverbundenheit und verblüffende Bandbreite von „Three Fall“. Innerhalb der 6:31 Minuten wechseln musikalische Stimmung und Richtung andauernd. Ein unruhiges Intro mit hochklingenden Bandschleifen, dazu lässt ein darüber gelegter , tieftönender, klanglich verfremdeter Posaunenklang ein Thema erkennen.

Im Anschluss wird alles groovender, ein Saxophonsolo klingt gewohnt jazz-schön, doch kurz danach ist mit wohlklingender Harmonie alles vorbei, wenn das Stück zwischenzeitig in schräge Kakophonie oder freejazzige Strukturen abwandert. Aber auch dann gibt es erneut einen musikalischen Bruch: Die Musik begibt sich in spanisch anmutende Gefilde, ein boleroartiger Rhythmus unterstreicht den Eindruck. Am Ende noch einmal ein klangschönes Sax-Solo.

Insgesamt ist dieses Stück nicht gerade leichte Kost und erinnert an die Herangehensweise der „Musique concrète“. Nicht nur hier, sondern auch an einigen anderen Passagen wie der Sirene am Anfang der CD. Der Titel 13: „Alexandria“ könnte übrigens eine Weiterführung oder Ergänzung von „LMNTS“ sein, weist er doch etliche Parallelen auf.

Der instrumentale Song „Elevation Of Love“ (vom Esbjörn Svensson Trio) bezeugt die Vorliebe von „Three Fall“ für ihre typisch vertrackten Rhythmen die oft mit unerwarteten Wendungen gegen den Strich gehen. Passagenweise, gerne zu Beginn, klingt es wegen Wiederholungen und Intonationsstil wie eine Probe zur Einstimmung der Instrumente, woraus sich dann aber schnell ein dichtes, harmonisches Zusammenstil entwickelt, durchdrungen von Til Schneiders Trombone – Soli.

Mit “Thank You” folgt im starken Bläsersound arrangementmäßig ein etwas konventioneller gehaltener, aber in sich fantastisch stimmiger Funk-Soul-Song. Hier nähert sich Melanes Gesang stilistisch etwas Amy Winehouse an. Ihre Stimme integriert sich hervorragend mit dem Instrumentarium. Es darf getanzt werden, das Stück ist begeisternd und geht sofort in Hüften und Beine. So auch beim Reggae orientiertem „Silver & Gold“, ebenfalls ein sehr schöner Song.

Die Songs „People“ und „Release”, beide wieder intensiv gesungen von Melane, sind purer, lauter Funk inmitten zackiger Bläsersätze, langanhaltender Sax-Soli und starker Percussion.

„All That She Wants“ (von Ace Of Base) ist zunächst der eingängigste, vielleicht auch bekannteste Song des Albums. Melane intoniert wechselnd sanft oder mit eindringlichem Drive. Die Instrumentierung wandelt sich vom anfänglichen Wohlklang immer wieder mal zum knalligen Sound-Outfit, kräftig unterstützt von den Percussion. Eine austauschbare Beliebigkeit wird man in den erfindungsreichen Arrangements von „Three Fall“ nicht finden.

Mit den letzten zwei Titeln „Lampion“ und „Morphose“ erhält das Album ein gemäßigt ruhiges Ende – weniger experimentierfreudig aber voll im Jazz-Ambiente.

Abschließend kann ich sagen, dass „Three Fall & Melane/Four“ eine spannende Weiterentwicklung der Formation ist. Die Sängerin Melane Nkounkolo ist mit ihrer interessanten Stimme ebenbürtig im Klanguniversum von „Three Fall“ eingebettet – so sehr, dass ihr Gesang manchmal als ein weiteres „Instrument“ der Gruppe wahrgenommen werden könnte.

Die Musik dieser CD fasziniert gerade dann besonders, wenn sie in fruchtbarer Exzentrik geradezu entflammt, auch wenn es den Hörer manchmal fordert. Da spürt man die Hingabe, die Gestaltungsintensität, die große Lust am musizieren.

Im Internet : Melane

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