Köln- Hundert Mal haben sie dieses Spiel nun gegeneinander gespielt, der 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach. Ein runder Anlass, Pathos wäre erlaubt gewesen. Stattdessen gab es in Müngersdorf vor allem eines zu sehen: die Unfähigkeit zweier Mannschaften, einander die Kontrolle zu entreißen – und einen Trainer, der sein Versprechen nicht einlösen konnte.
Das 3:3 fühlte sich für Köln nicht wie ein gewonnener Punkt an, sondern wie ein weiterer Beleg dafür, dass große Ankündigungen im Profifußball selten mit struktureller Stabilität einhergehen. Lukas Kwasniok hatte im Vorfeld verbal aufgerüstet, wir werden drei Punkte holen. Es klang nach Texas Hold’em, nicht nach Bundesliga.
Dabei begann das Derby bereits vor dem Anpfiff schief. Der verletzungsbedingte Ausfall von Tom Krauß im Warm-up zwang zu einer Entscheidung – Erfahrung oder Experiment. Kwasniok entschied sich für das Debütantenmodell. Cenny Neumann verschätzte sich nach 30 Sekunden, Jens Castrop traf, 0:1. Hundertstes Derby, erste Minute, erste Unsicherheit. Es war ein Auftakt wie ein Kommentar.
Köln reagierte bemerkenswert schnell. Isak Johannesson spielte einen dieser Pässe, die den Stadionlärm für einen Moment zum Schweigen bringen, Said El Mala vollendete mit einer Drehung, die mehr Selbstverständnis verriet als das gesamte Kölner Defensivverhalten an diesem Nachmittag. Kurz darauf drehte Ragnar Ache das Spiel. Für einen Augenblick wirkte es, als habe Köln einen Plan.
Doch dieser Eindruck hielt nicht lange. Gladbach traf zum 2:2, später erneut durch Castrop zum 3:2 – wieder nach einer Szene, die weniger Genialität als Raumaufteilung dokumentierte. Köln verteidigte Zonen, die offenbar niemand beanspruchte. Das Problem war nicht mangelnder Wille, sondern mangelnde Ordnung.
Die Illusion vom Plan
Kwasniok reagierte erwartbar: Offensive Wechsel, Risiko, „all in“. Florian Kainz flankte, Eric Martel köpfte zum 3:3. Es war der Moment, in dem ein Derby Heldengeschichten schreiben könnte. Doch selbst dieser Ausgleich bekam einen Nachsatz: Martel sah Gelb-Rot, eine Entscheidung von Schiedsrichter Sören Storks, die in der Zeitlupe unerquicklich wirkte, aber am Befund des Spiels nichts änderte.
Denn dieses Derby war weniger Drama als Symptom. Köln produziert zu wenig klare Strukturen, zu wenig wiederholbare Abläufe. Das 2:1 durch Ache blieb die einzige Szene, in der Angriff und Idee deckungsgleich wirkten. Ansonsten lebte das Spiel vom Zufall, vom Tempo, vom Derbyreflex.
Thomas Kessler sprach nach dem Spiel von „zu wenig“. Es war ein nüchterner Satz für einen wilden Nachmittag. Und vielleicht ist er treffender als jede Empörung. Hundert Derbys sind eine Traditionslinie. Doch Tradition allein verteidigt keine Halbräume. Das 3:3 ist kein Desaster. Aber es ist auch kein Fortschritt. Und im Profifußball ist Stillstand oft nur ein anderes Wort für Abschied auf Raten.
Ich möchte diesen Trainer und seine selbstdarstellerische Art nicht länger sehen. Er hat den Sieg versprochen und nicht gehalten und nun sollte es auch genug sein mit dem Aushalten und warten auf einen Sieg. Der wahre Lichtblick für mich waren ein freudig grinsender Jonas Hector im Publikum nach dem El Mala Tor und Derbyheld Marcel Risse am SKY Mikrofon in der Halbzeit( in dem Spiel stand Kess im Tor). Wenn ich nächste Woche in der Nordkurve die Ostfrieslandliga verfolge, werde ich den BMG Fans, die eine Kölner Niederlage prognostizierten, erhobenen Hauptes begegnen. Nach der Länderspielpause geht es nach Frankfurt am Main und egal wer dann an der Seitenlinie steht, hoffentlich wird es endlich mal wieder ein Sieg. Und natürlich freue ich mich auf Punkte sammeln uznd wenn es wieder heißt: Come on Effzeh!
So standen die Teams auf dem Müngersdorfer Grün
1. FC Köln: Schwäbe – Neumann (70. Thielmann), van den Berg, Özkacar, Lund – Martel, Johannesson (70. Chavez) – Maina (77. Kainz), Kaminski, El Mala (77. Waldschmidt) – Ache (77. Bülter)
BMG: Nicolas – Sander, Elvedi, Diks – Reitz, Engelhardt, Scally, Castrop, Honorat, Stöger – Tabakovic
Tore: 0:1 Castrop (1.), 1:1 El Mala (4.), 2:1 Ache (7.), 2:2 Sander (20.), 2:3 Castrop (60.), 3:3 Martel (84.)




































































