ROGER [roˈʒeː] im Jazzclub Hürth

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Wir sind- Roger

Köln – Es „swingte“ wieder so richtig am vergangenen Freitag (2. September 2022) im Jazzclub Hürth. Die 2014 gegründete Band ROGER [roˈʒeː] stellte nach drei Jahren im gemütlich-harmonischen Hürther Jazzkeller im Vergleich mit dem Konzert von 2019 ein leicht verändertes Repertoire von Roger-Cicero-Songs vor.

Die musikalische Vielseitigkeit der Cicero-Swingtitel oder Cicero-Balladen erweiterte sich im laufenden Konzert zudem durch zündende Soulsongs von Joe Cocker, Lionel Richie, Bill Withers oder Nickolas Ashford & Valerie Simpson.

Letztere jetzt natürlich mit deutschen Texten, welche zum Teil den deutschen Versionen von Stefan Gwildis entstammen. So wurde aus „Ain’t No Sunshine“ von Bill Withers „Allem Anschein nach bist du’s“. Oder bei „Ain’t No Mountain High Enough“ heißt es jetzt „Wir Ham Doch Jeden Berg Geschafft“.

Aus der Youtube Seite der Band Ciceros Hit „Zieh Die Schuh Aus“

Das kompakte Konzert von immerhin vierundzwanzig Songs startet mit einem kurzen Showintro des Jazztrios (Stefan Hansel, Klavier, Gerd Brenner, Kontrabass, Jonas Grätzer, Schlagzeug), dem sich nahtlos der Song „Alles Kommt Zurück “ anschließt. Hier betritt Bandleader und Sänger Klaus Grätzer die Bühne.Mit Verve singt er sich durch den rhythmischen, textlastigen Song in welchem es etwas mokant darum geht, dass Pilotenbrillen, Schulterpolster, Neonfarben, Geländewagen, Diskobeat oder Jungs mit Oberlippenbart immer schon da waren und eben jetzt zurückkommen.

Wie bei vielen anderen Cicero-Songs, deren Markenzeichen außer dem Swingstil die nicht leicht zu singenden, originellen und wortreichen Texte sind, zeigte Klaus Grätzer sich nicht nur sprachlich deutlich und „textsicher“, sondern was wichtiger ist: in seiner musikalischen Phrasierung machte er den Song in seiner Bedeutung offenbar.

Im Gegensatz zu den Album-Versionen der Roger-Cicero-Songs nutzte die Band gewinnbringend die Möglichkeit, in der Live-Darbietung bei einigen Songs wie u.a. „Frauen Regier‘ n Die Welt“ mittels der instrumentalen Improvisation die Jazzakzente in der Musik zu betonen.

Das ein geübte klassische ROGER-Klaviertrio überzeugte hier mit seiner musikalischen Erfahrung, harmonischer Spielfreude, und ihrem Können. Dass der warme und auch dynamische Sound so gut rüberkam, war Tontechniker Matthias Schumacher zu verdanken.

In einem Gespräch mit Klaus offenbarte ich ihm meine ausführlich erklärte Abneigung von Smartphones.In Anlehnung an dieses Gespräch widmete er mir augenzwinkernd mit „Ansage“ die Jazzballade „Schöner War’s Ohne“ vom zweiten Cicero-Album „Beziehungsweise“. Ein wunderbarer Song den ich bis heute besonders schätze.

In anderen Balladen wie „Ich Atme Ein“ oder besonders berührend bei „In Sachen Anna“ überzeugte Klaus mit seinem Talent, lyrische oder melancholische Melodien wirklich klangschön zu intonieren. Sicherlich sind dies auch die Früchte der Zeit, als er als kleiner Junge mit glockenreinem Sopran im renommierten Kölner Domchor sang.Hier ist noch anzumerken, dass ihm wegen dieser Begabung auch stark melodische Soulballaden wie das eingedeutschte „Allem Anschein Nach Bist Du’s“.(„Ain’t No Sunshine“), oder „Du Bist So Wundervoll“ (You Are So beautiful – Joe Cocker) scheinbar mühelos gelingen.

In diesem Wechsel von Cicero-Songs und den Soulklassikern fällt übrigens auf, dass eigentlich besonders die rhythmischen Swing-Songs von Cicero – oft mit wirklich vertrackter Melodieführung – viel schwerer zu singen sind als die erwähnten, kompositorisch recht eingängigen Soulsongs. Ich denke, diese Erkenntnis bezieht sich nicht nur auf den Gesang, sondern das werden auch die Musiker erfahren haben.
Im zweiten Set des Konzerts wurde gepowert mit einer Reihe rhythmischer Songs und einer guten Prise Funk. „Tausendmal Berührt“, „Nicht Artgerecht“, „Nimm Deinen Kerl Zurück“, „Kompromisse“ uva. ließen Band und Sänger vorläufig nicht zur Ruhe kommen.

Hier hatte auch der junge, begabte Neueinsteiger des Trios – Jonas Grätzer – viel Gelegenheit mit seinem Schlagzeug wandlungsfähig und dynamisch gleichermaßen zu faszinieren.

Überraschend war Paul Ankas Bigband-Version von Lionel Richies ehemals über-emotionalem „Hello“ . Ich hätte den Song – jetzt „Hallo“ – in dieser Jazzversion fast nicht mehr erkannt. Lob geht da auch an Pianist Stefan Hansel, der alle Kompositionen neu für die Trio-Version arrangierte.

„Du Hast Mich Ganz In Der Hand“ , ( von Cole Porter – I ‚ve Got You Under My Skin“) war auch eine begeisternde Nummer die mit viel Jazzgehalt in der Interpretation von ROGER voll gelang.
Mit dem mitreißenden „“Wir Ham Doch Jeden Berg Geschafft““ – ( „Ain’t No Mountain High Enough“ – (für Diana Ross 1970 ihre erste Nummer 1 bei den Billboard Charts Hot 100) endet das Konzert eifrig beklatscht, um natürlich sofort zu den Zugaben überzugehen.

 

Ciceros Hit „Zieh Die Schuh Aus“ durfte in diesem Programm nicht fehlen. Das „Sahnehäubchen“ kam sozusagen erst zum Schluss.

Emotional und besinnlich ging mit Joe Cockers „Du Bist So Wundervoll“ ein schönes Konzert zu ende, an welches man sich immer gerne erinnern wird.

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