Joja Wendt: Mit 88 Tasten um die Welt

2011

Köln- Ein Klaviervirtuose und sein schillernder Musikkosmos ! Joja Wendt, der virtuose Tastenmagier, bietet uns mit seiner neuesten CD ein akustisches Wechselbad. Sie soll eine musikalische Reise durch alle Herren Länder sein und tatsächlich gelang ihm ein farbenprächtiger Klangteppich von intensiven Eindrücken und Freuden.

Seine Neubearbeitung von bekannten klassischen oder folkloristischen Stücken, sowie die Vorstellung eigener Kompositionen lassen den Hörer stimmungsvoll von fernen Regionen träumen, oder nehmen in ganz einfach gefangen, ….nicht selten auch durch Joja Wendt“™s dionysisches Spielen auf seinen „88 Tasten“ !

Weil es 13 sehr unterschiedliche Titel sind, ist es schwierig, mit ein paar Sätzen etwas Allgemeingültiges zur gesamten Musik der CD zu schreiben, außer natürlich, dass Wendt als profilierter Pianist nahezu in jedem Stück glänzt. Ich halte es für besser, jeden Titel mit einigen Worten speziell zu beschreiben.

Die Reise beginnt in Deutschland mit einer originellen Version des Johannes Heesters Evergreens: „Man müsste Klavier spielen können“. Es ist sehr reizvoll, wechselweise in diesem Song von 1941, Stefan Gwildis, Roger Cicero, Marc Marshall und Jay Alexander mit ihren unterschiedlichen Stimmen und ihrem bekannt eigenem Stil zu hören. Nostalgische Gesangparts mischen sich raffiniert mit Soul „“und Rockeinlagen. Von den 13 Musikstücken dieser CD sind allerdings nur drei gesungen

Da singt Maud Rakotondravohitra „La vie en rose“. Das weltberühmte Chanson beginnt sie zunächst so, wie man es üblicherweise gewohnt ist zu hören. Aber später im Lied entfaltet ihre helle Stimme große emotionale Kraft. So schafft sie es, diesem Lied, welches wohl jeder kennt, neue und mehr dramatische Töne zu entlocken und dadurch mit einen sehr facettenreichen, eigenständigen Vortrag zu beeindrucken.

Als dritten Gesangstitel wählte Wendt Puccinis berühmte Belcantoarie „O mio babbino caro“. Der Titel ist der letzte dieser CD und wird von seiner Mutter, der Opernsängerin Barbara Wendt mit schöner Inbrunst gesungen. Am Ende dieser musikalischen Reise ist dieses Lied auch eine Widmung und Huldigung an die Person, die “ ihm die Liebe zur Musik in die Wiege gelegt hat “

Auf den anderen zehn Titeln der CD hat Joja Wendt hinreichend Gelegenheit uns mit seinen phantasievollen Arrangements und seiner technischen Versiertheit rein instrumental zu begeistern. Dies geschieht mit kreativer Vielfalt und auch Humor.

Sein Pianospiel ist vorerst bei einer neuen Zusammenstellung von Schumanns Kinderszenen adäquat zart, um aber später mehr und mehr in einen soliden, typischen Wendt-Jazz-Swing zu geraten.

Mit „Palast des Zaren“ nähert er sich einer Scriabin-Etude voller Verehrung. Es berührt, wie seine behutsame Intonation Melancholie und Schönheit der Melodie offen legt.

In „Asturias“ erleben wir eine furiose Klangexkursion. Kollege Dieter Falk ist der ideale Mitstreiter in diesem äußerst temperamentvollem Pianoduell. (Aber wer schrieb das Stück? Leider keine Angaben).

Ganz leichte, wohlige Klänge voller Zauber, bringt „Fulaga“. Man schließt die Augen, spürt das Meer, den sanften Wind, und sieht die traumschönen Inseln der Südsee vor sich.

Großes Streichorchester plötzlich beim „Celtic Cry“. Irische Flöte im Wechsel mit der „Fiddle“ und wilden Pianoläufen. Das Orchester setzt volltönend und effektvoll die musikalischen Akzente.

Mit Tschaikowskys „Tanz der Zuckerfee“ hat Wendt neben ungezählten, interessanten Bearbeitungen ( z. B. Duke Ellington ) hier noch eine weitere wunderschöne Version hinzu gefügt. Die Melodie wird durch Joja Wendt“™s filigranes bis kraftvolles Klavierspiel besonders akzentuiert.

Mit der „Historia de un amor“ , einem südamerikanischem Volkslied, wird ein ähnliches entspannendes Stimmungsbild von wohltuender Romantik erzeugt wie bei „Fulaga“. Eine klare, poetische Melodie, die sofort ins Ohr geht, aber deswegen nicht weniger betörend ist.

Fernöstlich, in halsbrecherischem Tempo tönt es in „Siama“, dem chinesischen Pferderennen.

Auch die „Wanzenjagt“ und „Typewriter“ zeigen den Meister in Hochform: Verblüffende Virtuosität und Dynamik brillieren mit Zugaben von Charme und Humor.

Sicher ist der Focus dieser CD weniger auf den Jazz gerichtet, auch wenn er oft funkelnd aufblitzt. Natürlich hat auch diese Gegenüberstellung oder Aufreihung verschiedenster Musiken etwas von einem Sonntagnachmittags-Wunschkonzert, welches der Allgemeinheit gefallen soll. Aber es ist ein erfrischend abwechselungsreiches Programm von hohem Niveau und Unterhaltungswert. Es bietet vor allem Entspannung und es macht große Freude, sich einfach diesem schillernden Kosmos musikalischer Welten hinzugeben.

Hier etwas Info zu Joja Wendt:
Preise und Pressestimmen
Er ist unter anderem Träger des Louis Armstrong-Preises und wurde vom Traditionshaus Steinway & Sons in den Kreis der weltbesten Pianisten aufgenommen. Neben seiner Leidenschaft für Jazz, Blues und Boogie-Woogie liegen ihm auch die Musikschulen und ihre musikalische Früherziehung am Herzen.

Die Hamburger Morgenpost schreibt am 6. Mai 2005 unter „Großartiges Tasten-Feuerwerk“:
… Lachstürme, wenn Wendt das Kalauergedicht vom Auerhahn zitiert oder mit seinen langjährigen Begleitern Thomas Biller und Christoph Buhse für einen Ausflug in die Anfänge ihrer Karriere auf die Knie geht, um am Miniflügel … im höchsten Falsett zu rocken … Der Mann hat eben den Schalk im Nacken – und obendrein in den Fingern, wie seine launigen Gratwanderungen zwischen allen Stilen hören lassen. Jazz, Blues, Boogie, Pop und Klassik perlen ihm so leicht über die Tasten, dass selbst das schiefe a-cappella-Ständchen zum Abschied noch wie große Kunst erscheint.

Die Nordwest-Zeitung (11. Februar 2005) spricht von der Guinness-Show der Rekorde – Keiner spielt schneller Klavier als Joja Wendt: als im Oldenburger Konzert eine Videokamera seine Finger auf die Leinwand projiziert, „verschwimmt das Bild. So schnell ist die Digitaltechnik noch nicht.“ Typisch für seinen Humor ist die zitierte Bemerkung: „Mensch“, staunt er in der Weser-Ems-Halle, „ist das voll hier. Ich wusste gar nicht, dass Oldenburg so viele Einwohner hat.“

Die Bayerische Rundschau vom 31. März nennt ihn „virtuos mit viel Wortwitz“ und schreibt u.a.: Seine Virtuosität und Klasse, gepaart mit Slapstick, lyrischem Talent und seinem mitreißenden Wortwitz, kennzeichneten das Konzert … Es ist der gute alte Boogie-Woogie, jene .. ansteckend-fröhliche Mutter des Piano-Jazz, den Joja Wendt meisterlich beherrscht … Der Zuhörer lässt sich mitreißen, kann bald nicht mehr anders, als im Takt mitzuswingen.

Vorheriger ArtikelRoger Cicero: Männersachen Live – DVD Rezension
Nächster ArtikelHenrik Freischlader Band- „Get Closer“ und der Spirit von Woodstock
Jazzie ist mein Nickname als Schlagzeuger und Jazzmusiker. Das Colozine Köln News Magazin ist mein Blog. Beruflich bin ich Inhaber einer Internetagentur in Köln und Ostfriesland. Hier fröne ich meinen Hobbys. Ich liebe Smooth Jazz und die USA Jazz Musik Szene. Als Main Stream Jazz Fan sehe ich Harmonie, nicht nur in der Musik, als unser aller höchstes Gut an. Jazz-, Pop-, Hardrock- und Bluesmusik hat die Welt verändert und ist für mich unverzichtbar. Grund genug durch die Welt zu surfen und Ausschau nach guten Music Acts und Musikern zu halten. Ich bin Fan des ersten Fußballclub Köln. Weitere Faibles gelten dem Motorsport,Tennis,Squash und Motorrad fahren. Ich bin Honda Freak und lasse mir gerne den Wind um die Nase wehen. Neben Köln, zieht es mich nach Ostfriesland. Denn dort ist das Meer und ein 243 Jahre altes Haus :-) Bei Fragen oder Fehlangaben auf den Colozine Köln News Seiten hier die Kontaktmöglichkeit Jazzie (Reinhold Packeisen) Oder Mail an info@koeln-news.com :-) Tel.+49 170 90 08 08 74