Kneippen in Südtirol

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Wassertreten im Rahmen der Kneipp-Therapie. pixabay.com © silviarita (CCO Creative Commons)

Köln- Der bayerische Pfarrer und Hydrotherapeut Sebastian Kneipp (1821–1897) entwickelte vor mehr als 150 Jahren ein Heilverfahren, das auf dem Zusammenwirken von innerem Wohlbefinden, Bewegung, Ernährung, Kräutern und Wasser basiert.

Die Wirksamkeit der Kneipp-Therapie ist heute wissenschaftlich bewiesen. Besonders in Südtirol erfreut sie sich großer Beliebtheit. In der Region um Meran werden bereits seit dem 19. Jahrhundert Wasserkuren und Therapien nach Kneipp angeboten. Und so wird zum Beispiel in Schenna am Waalweg ordentlich Wasser getreten.

Kneippsche Therapie: Körper, Geist und Seele in Harmonie

Die Aufgabe der Kneippschen Therapie ist es, Körper, Geist und Seele in Harmonie zu bringen. Dabei ist sie weitaus mehr als eine Heilmethode. Sie eignet sich vor allem als Prävention. Im Rahmen der Therapie werden die Selbstheilungskräfte angeregt, das innere Gleichgewicht und die Widerstandsfähigkeit gewinnen an Stärke. In der Folge entwickelt der Mensch eine gewisse Resilienz gegenüber den Anforderungen des Lebens. Stresssituationen, Krankheiten und Krisen kann er leichter meistern und er ist insgesamt glücklicher.

Ziel der Kneipp-Therapie ist es also, aufzuzeigen, wie der Mensch ein gesundes Leben führen und darauf basierend vorbeugen und sich heilen kann. Sebastian Kneipp entwickelte diesen ganzheitlichen Ansatz vor mehr als 150 Jahren. Das Kneippsche Heilverfahren hat überdauert und sich stetig weiterentwickelt. Aus der einstigen Kräuter- und Wasserheilkunde ist ein wissenschaftlich belegtes und anerkanntes Gesundheitskonzept geworden. Es lässt sich einfach umsetzen und kostet kaum etwas, weder viel Geld noch viel Zeit. Dafür bringt es Menschen jeden Alters in Bewegung, was zu mehr Gesundheit und Wohlbefinden führt – zum Beispiel mit dem beliebten Wassertreten.

Neue Kneipp-Station am Schenner Waalweg

Ihr macht Urlaub in Südtirol und seid auf der Suche nach Entspannung? In Schenna bei Meran findet ihr am Schenner Waalweg seit Kurzem eine neue Kneipp-Station. Beim Kneippen im 1,30 Meter breiten und sechs Meter langen Wassertretbecken bietet sich euch eine fantastische Aussicht.

Und wenn ihr ein Hotel in Schenna sucht, schaut euch das Hotel Weinmesser an. Es ist das erste Weinhotel in Südtirol und somit ein Paradies für alle Weingenießer. Alle Unterkünfte in Schenna zeichnen sich durch ein gutes Preis-Leistungsverhältnis aus. Neben Wellnesshotels finden sich auch Hotels für Familien sowie Golf-, Wander- und Reithotels.

Kneippen könnt ihr übrigens auch in der näheren Umgebung, etwa in Partschins, Naturns oder Ulten, und dabei die eindrucksvolle Natur der Berge genießen. Auch die Therme Meran verfügt über einem Badeparcours mit Kneipp-Becken.

Wer war der Pfarrer und Hydrotherapeut Sebastian Kneipp?

Der bayerische Pfarrer Sebastian Kneipp (1821–1897) ist für seine ganzheitliche Heilmethode, die die Grundlage für die heutige Kneipp-Therapie ist, bekannt und geschätzt. Er hegte schon früh den Wunsch, Medizin zu studieren. Trotz vieler Hürden gelang es ihm, seinen Traum zu verwirklichen.

Später erkrankte er an Tuberkulose und heilte sich selbst durch Bäder in der Donau. Die Erfahrungen, die er dabei sammelte, schrieb er nieder und entwickelte daraus sein Gesundheitskonzept, mit dem er schon damals kranke Menschen heilte und weltweite Bekanntheit erlangte. Gleichzeitig wies er immer wieder darauf hin, wie wichtig eine gesunde Lebensweise ist, um Erkrankungen vorzubeugen. Dazu gehören sowohl eine gesunde Ernährung als auch persönliche Auszeiten und Fitness auch zu Hause.

Kneipp gründete seinerzeit drei Stiftungen: die Kneippsche Kinderheilstätte, das Sebastianeum und das Kneippianum. Er behandelte alle Patienten gleich, ob arm oder reich. Unzählige Menschen ließen sich behandeln. Dadurch konnte sich Kneipp ein umfangreiches Wissen über Naturheilkunde und Diagnostik aneignen. Interessant diesbezüglich ist die Reaktion der Ärztezeitung. Obwohl die studierten Mediziner ihren Rivalen jahrelang der Kurpfuscherei anschuldigten, widmeten sie ihm nach seinem Tod doch einen wohlgesinnten Nachruf.

Sebastian Kneipp hat der Nachwelt viele Arbeiten hinterlassen, darunter die beiden Teile von „Meine Wasserkur“ und „So sollt ihr leben“. Die gesundheitsfördernde Wirkung der Kneipp-Anwendungen ist bis heute unumstritten. Inzwischen gibt es in Deutschland viele Kneipp-Kurorte, von denen der bekannteste Bad Wörishofen sein dürfte, wo der Pfarrer seit 1855 tätig war.

In ganz Deutschland gibt es heute zahlreiche Kneipp-Kurorte Foto pixabay.com © silviarita (CCO Creative Commons)

Wichtige Meilensteine des Kneipp-Bundes

Seinen Anhängern riet Sebastian Kneipp immer wieder, dass sie sich gegenseitig unterstützen sollen. Unter dieser Prämisse fand sich bald eine Gruppe von Menschen zusammen. So wurden Kneipp-Vereine nach 1890 ins Leben gerufen. Diese schrieben sich unterschiedlichen Aufgaben zu, so dass ein Dachverband gegründet werden musste.

Der Kneipp-Bund e. V. wurde im Jahr 1897 gegründet. Zum damaligen Zeitpunkt koordinierte dieser die Tätigkeiten von 45 Kneipp-Vereinen und gründete zusätzlich ein Forum, in dem sich alle Mitglieder austauschen konnten.

Im ersten Kneipp-Blatt, das im Jahr 1891 von Ludwig Auer gegründet wurde, gab Kneipp noch seine persönlichen Vorstellungen über die Aktivitäten der Vereine bekannt. Er wünschte sich, dass Fachleute seine Gesundheitslehre übernehmen, dabei Politik und Leidenschaft außen vor lassen und stattdessen den Geist der Religion berücksichtigen sollten. Der Wunsch erfüllte sich auch im Kneipp-Ärztebund, der 1891 gegründet wurde und bei dessen erster Zusammenkunft er selbst noch aktiv mitwirkte.

Zu den wichtigsten Meilensteinen zählt die Anerkennung der Kneipp-Kur im Jahr 1953 durch die Sozialversicherungen. In Bad Wörishofen wurde zwischen 1957 und 1958 die Sebastian-Kneipp-Schule gegründet. 1969 entstand in Bad Lauterberg die Norddeutsche Gesundheitsschule.

Im Jahr 1968 wurde der Sitz des Verbandes nach München verlegt. In Hannover entstand 1970 ein Kneipp-Sport- und Jugendsekretariat. Im selben Jahr wurde der Kneipp-Bund Mitglied im Deutschen Sport-Bund (heute: Deutscher Olympischer Sport-Bund). Die Sebastian-Kneipp-Akademie nahm schließlich 1977 mit dem neuesten Lehrgang für Gesundheitspädagogen Form an. In Bad Wörishofen entstand der Kurbetrieb.

Der Kneipp-Bund e. V. feierte 2006 mit den eigenen Bildungseinrichtungen schließlich die Anerkennung für das Qualitätsmanagement gemäß DIN EN ISO 9001. Die Mitarbeiter sind bestrebt, die Qualität stetig zu verbessern. Heute hat der Kneipp-Bund e. V. ganze 1.200 Fachverbände, zertifizierte Einrichtungen und Kneipp-Vereine unter sich und ist damit die größte private deutsche Gesundheitsorganisation.

Der gemeinnützige und unabhängige Dachverband erreicht durch sein ehrenamtliches Engagement der Vereine Hunderttausende Menschen, die das Kneippsche Heilverfahren für sich entdecken.