PIANOARTISTIK UND VIEL HUMOR“¨, Joja Wendt im Kölner Gürzenich

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IM ZEICHEN DER LYRA

PIANOARTISTIK UND VIEL HUMOR“¨Joja Wendt im Kölner Gürzenichsaal. ( 7. April 2011)

Auf einem Turm, hoch in den Himmel hineinragend, da thront sie – die überdimensionale Königin der Instrumente! Optisch eindrucksvoll anmutend wie Schloß Schwanstein, dominiert die auf eine riesige Leinwand projizierte Orgel die Landschaft – und als Instrument sinnbildlich alle anderen. „¨“¨Joja Wendt’s Programm „Im Zeichen der Lyra“ , ein Wettstreit der Instrumente und die Weiterentwicklung oder Hinwendung zur Improvisation, war im Ansatz spannend und interessant, dabei immer locker und heiter aufgebaut. Musikalisch bediente sich Joja Wendt reichlich bei populären, jedermann bekannten und längst erfolgsgewohnten Klassikstücken. Und oftmals mussten es weltbekannte Stücke sein, wie z. B. Aram Chatschaturjan’s Säbeltanz, wobei Meister Wendt nebst seinem hervorragenden Geiger „Florian“ schon geradezu
tumultuarisch brillieren konnte.Wären da nicht seine unantastbare, souveräne Könnerschaft und Improvisationsfreude, könnte man über das rein musikalische Programm auch von einem manchmal fast zu häufig „abgefackelten Feuerwerk“ allzu bekannter Klassikhits sprechen. „¨So passte es z. B. nur allzu gut in dieses Konzept, dass Klavier und Geige gemeinsam mit dem “ schnellsten“ Musikstück der Welt versiert zu imponieren wussten.“¨“¨Die Rahmengeschichte von Wendt’s neuem Programm ist hübsch angelegt, weshalb sie meines Erachtens eine etwas sensiblere, bedächtigere oder künstlerisch mehr inspirative Seite in der Auswahl der Musikstücke bedurft hätte, als diese auf Sicherheit zielenden, allzu bekannten Werke. Aber natürlich konnte Bach’s Toccata im neuen, wuchtigen Arrangement mit deftig tönender Orgel im Widerstreit mit Wendt’s furiosen Pianoläufen eine durchschlagende Wirkung nicht verfehlen.


Wendts Ausflüge in den Jazz- und klassischen Bluesbereich – der „Saint Louis Blues“ oder Glenn Miller’s „Chattanooga Choo Choo“ -zündeten beim Publikum ebenfalls. „¨Und auch der Boogie Woogie klingt von Wendt mit Vehemenz gespielt so, wie Jedermann guten Boogie nicht anders im Ohr hat. So war Joja Wendt’s Spielfreude immer ansteckend – die Füsse wippten, die Hände klatschten rhythmisch.“¨Musikalisch innovative oder irritierende Exkursionen musste das Publikum jedenfalls keineswegs erdulden. „¨“¨Mit Temperament und Dynamik trieb Joja Wendt sein Programm vorwärts – wobei seine Zwischentexte – wie immer schelmenhaft-kess – das Publikum erheiterten und ihm mit Applaus viel Sympathie entgegen brachten. Wendt gefiel auch mit einem raffiniert-originellen Gedicht, welches die Menschen zum Kauf seiner CDs in der Pause animieren sollte.

Die ca. 600 Leute im Saal waren gut drauf und haben immer „mitgemacht“ – so wie Joja es wollte..Wendt ist eben nicht nur ein großartiger Virtuose, sondern auch ein toller Showman und sympathischer Entertainer, der sein Publikum immer gut gelaunt und selbstbewusst fest im Griff hat. „¨“¨Als Zugaben lieferte Joja handfesten Blues in Anlehnung an alte Zeiten, in denen er bei Joe Cocker im Vorprogramm spielte. Auch als Bluesvocalist machte Wendt keine schlechte Figur, indem er überraschend geschickt die allseits typisch-bekannten Blueselemente und Phrasierungen „“ wie z. B. nachdrücklich rauhstimmige Silben – in seinen Vortrag einbezog.

Der Licht-und Soundregie „“ ausgeführt von „Martin“ – gebührt ein besonderes Lob. Die großformatigen Lichtprojektionen, die Soundcollagen und z. T. arabesken Lichtspiele bei Joja’s Moderationen, waren perfekt inszeniert. Der Sound „“ oft problematisch im Gürzenich „“ war ebenfalls „“ jedenfalls auf meinem Platz seitlich links in der ersten Reihe – ausgezeichnet. „¨“¨Trotz eines schönen, kurzweiligen und unterhaltsamen Abends hinterlässt das Konzert bei mir einige zwiespältige Gefühle. Joja’s letztes Konzertprogramm „Mit 88 Tasten um die Welt“ hatte mich dagegen – rein musikalisch gesehen – rückhaltlos überzeugt und begeistert.

Werner Matrisch, Köln 8. April 2011

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Die JAZZ CD/DVD- und Konzert Rezensionen von Werner Matrisch sind ein besonderes schöne Rubrik. Jazzie traf den Kölner Maler und Künstler Werner Matrisch "Homepage WernerMatrisch" bei einer Vernissage. Wir kamen ins Gespräch und entdeckten, das wir nicht nur eine gemeinsame Leidenschaft, die Malerei haben, sondern auch dem Jazz sehr zugetan sind.