Vettels erstes Ferrari Podium ist die einzige Sensation des F1 Auftakt in Australien

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Köln- Um kurz vor 6 morgens aufstehen, das war zu Schumi Zeiten für mich nie ein Problem. Da war die Spannung obsolet. Senna, Schumi, Coulthard,Hill das waren Asphalt Schlachten auf Augenhöhe. Mords Randale und Ringelpitz mit anfassen. Spannung pur.

Die Spannung des Formel1  Saisonauftakt  2015 im Albert Park von Melbourne  gerierte sich für mich nur aus der Unklarheit.

Was haben die Teams aus den Schwächen des Vorjahres gelernt? Wer hat am besten nachgerüstet?

Bei den Tests in Spanien ließen Williams, Lotus und Ferrari aufhorchen. Mercedes war nicht gravierend schneller. Das klang gut und es war zu erhoffen das der Langeweile aus 2014 wieder Motosrport zu erwarten ist. Im Training und im Qualifying zum GP von Australien sah es so noch aus, als könnten da einige Teams die Lücke geschlossen haben. Doch wie gruselig verlief dann das Rennen.

Rosberg und Hamilton düsten los. Vettel  reihte sich hinter Massa ein. Maldonado wird nach einem halben Kilometer in die Planke gedrückt. Safety Car kommt raus.

Es geht weiter und die beiden Mercedes setzen sich ab.

Nach 10 Runden 15 Sekunden Abstand zu Massa.  3 Sekunden  dahinter Sebastian Vettel in Schlagdistanz zu Massa.

Jipijeeh. Dahinter wird das Feld durch die mangelhafte Technik zerlegt. Da ein Getriebe. Dort ein Motor. Blauer Qualm. Doch keiner crasht in die Planken. Kein Savety Car mehr. Ruhig ziehen alle ihre Bahnen. Es gibt nur ein Duell. Ericsson vs. Carlos Sainz jr. fahren etwas dichter umeinander. Im Kampf um P8. Ich könnte grade mal losheulen.

Dann trifft es mich auf einmal voll emotional. Räikkönen wird vom eigenen Team durch eine nicht festgezogene Radmutter hinten links in die  Sicherheitszone neben der Strecke beordert. Alle Hebel auf „P“ für Parkposition.In der Kurve kommen wenigstens die Ferrari Fans auf ihre Kosten. Endlich ein Standbild von einem Ferrari + den Iceman live und in Farbe. Twitter sei Dank. Hautnahe Bilder von der Piste.
Ich dagegen flippe voll aus. „¨Die sind doch wohl voll Panne die Italiener. Selbst Arrivabene kommt an die Box gerannt und knöpft sich den Mechaniker vor.

Das Bild wird eingefangen und von Danner und Wasser kommentiert und dann labern die wieder die Spannung herbei und wollen mir verklickern, der Sound  2015 wäre echt besser geworden.

Männers guter Rat: Es wird Zeit für ein Hörgerät. Und werde ein wenig sauer. Was wollt ihr mir erzählen? Wohl vergessen wie 18000 U/min mit offenen Rohr klingen. Lass mal ein paar alte Videos zum Vergleich laufen.

Das Feld lichtet sich inzwischen. Noch elf Autos im Rennen und Sebastian und seine „Eva“  zocken sich durch einen guten Boxenstopp an Massa vorbei.

Bestens. And the gap is: 34 Sekunden auf Rosberg. Die Silberpfeile ziehen vorne ihre Runden und die internationale F1 Kameraregie fängt die Runden lang gar nicht ein. Weil es so peinlich ist?  Mein Gott. Silber nicht dauernd im TV.  Konzernchef Zetsche wird an die Decke gehen. Da kommen die Mercedes Sponsoren nicht zur Geltung.  Na ja ich denke der  Regisseur  wird mit der spannenden Action im Hinterfeld überfordert gewesen sein.

Na ja und es sah ja so aus, das Nico  Rosberg Hamilton auch nicht mehr einholen kann.

Aber es gibt noch eine Krönung des Tages. Die  Spannung pur durch den zulässigen FIA  Boxenfunk.

Hamilton muss Sprit sparen. Bei Rosberg habe ich nur verstanden, das seine Frage, ob der Vordermann mehr oder weniger Sprit verbraucht, nicht beantwortet werden darf.  Vettel spart Sprit.  Massa darf Gas geben weil Vettel Sprit spart. Der scheint aber noch drei Liter Reserve zu haben und gibt wieder Gas. Der Abstand wird wieder größer. Doch keine Sensation durch Williams!  Massa auf dem Podium wäre ja auch einer gewesen. Für Ferrari ein kalter .

Ich trinke in der Werbepause meinen dritten Kaffee und denke: „Du dumm Nuss! Wärst besser liegen geblieben und hättest dir heute Abend die Tagesschau oder RTL Nachrichten angesehen, dann hättest du nicht so eine Wut im Bauch! Und wärst ausgeschlafen.“

Dann wird  die s+w  karierte Flagge geschwenkt . Rennen aus .
Jetzt kommt das Beste. Der Seb  wird Dritter und steht auf dem Podium. Er lacht.Ich auch.

Der Tuppes Hamilton kann seine eigenes Nationalhymne nicht abwarten und zappelt blöde rum. Zeichen hier und Zeichen da. Man spürt. Er ist zum Sprung bereit. Endlich mal wie Schumi in die Luft springen und den Jubel der Millionen hören, die sich über seinen grandiosen Sieg freuen. Ist nicht der Fall.

Sektdusche. Dann kommt der „Terminator“. Arnie verleiht der Siegerehrung eine besonders witzige Note. Zum Ende des F1 Australien GP dürfen wir noch mal lachen, bevor uns  Niki Lauda im Talk mit Florian König freudestrahlend verklickert, das Hamilton eben unschlagbar ist, wenn die Technik der Silberpfeile funktioniert. Hat er die Kappe gezogen? Scheiße das habe ich jetzt aber total verpasst. War mal eben pinkeln. Endlich. Kai Ebel hat Seb am Mikro.

Ich freue mich für Sebastian Vettel. Der freut sich verdient. Sein Wechsel ist richtig. Die „Eva“ ist ein gutes Sportgerät im Gegensatz zur Dosengurke mit Renault Motor.
Da hört man aktuell sogar das Gerücht das Mateschitz ebenso wie ich, die Schnauze voll hat von der F1.

Lieber Sebastian, es freut mich dich mal wieder leicht und locker,relaxt  vor der Kamera zu sehen. Das tut gut.

Doch so wie das heute in Down Under  gelaufen ist, können die deutschen Motorsportclubs froh sein, das sie Bernie  Ecclestone nicht in den Arsch gekrochen sind und ihre Kohle für einen F1 GP in Deutschland nicht aus dem Fenster hauen wollen. Besser ist das, das bis heute noch keine Entscheidung gefallen ist.

Eine solche F1 braucht Deutschland nicht, auch wenn wir drei super gute Piloten in der Formel 1 haben. Das was ich heute gesehen habe törnt mich einfach ab. Das ist keine Formel1  wie ich sie mir vorstelle.

Alle  Teams außer Mercedes agieren beim derzeitigen FIA  Reglement  am Limit und werden den Vorsprung von Silber unter diesen Bedingungen auch nicht aufholen.

Die Königsklasse des Motorsport war bereits 2014 eine Karikatur und jetzt machen Bernie und die FIA ein Geschichtsbuch daraus. Da kommen jetzt 10 Asterix und Obelix Ausgaben auf uns zu. Wohl bekomm’s. Die Geschichte meine ich.

Für mich bleibt eine große Freude. Ich habe sieben Titel von Michael Schumacher und vier Titel von Sebastian Vettel gesehen, als die Formel1 den Begriff Königsklasse noch verdient hatte.

Sorry Seb, damit möchte ich deine Leistung heute nicht schmälern. Eines ist gewiss: Bis der „gap“  nicht auf 6 – 8 Sekunden geschrumpft ist, werde ich nicht mehr auf meinen Schlaf verzichten. See ya in Sepang.

Der Zieleinlauf

1 Lewis Hamilton Mercedes AMG Mercedes P 1:31:54.067 58
2 Nico Rosberg Mercedes AMG Mercedes P 1:31:55.427 + 1.360 58
3 Sebastian Vettel Ferrari Ferrari P 1:32:28.590 + 34 523 58
4 Felipe Massa Williams Mercedes P 1:32:32.263 + 38 196 58
5 Luiz Felipe Nasr Sauber Ferrari P 1:33:29.216
6 Daniel Ricciardo Red Bull Renault P 1:32:04.816 + 1
7 Nico Hülkenberg Force India Mercedes P 1:32:41 250 + 1
8 Marcus Ericsson Sauber Ferrari P 1:32:56.053 + 1
9 Carlos Sainz Jr. Toro Rosso Renault P 1:33:02.691 + 1
1 Sergio Pérez Force India Mercedes P 1:33:14.993 + 1
11 Jenson Button McLaren Honda P 1:32:18.287 + 2

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Packie lebt im Kölner Süden und ist Gründer, Entwickler und der Chef des COLOZINE Magazin, das als Blog neben der Kölner Süden Seite "Packie.de" aufgebaut wurde. Im weitesten Sinne ist diese Seite mehr den Farben, der Musik und den persönlichen Themen gewidmet. So zum Beispiel, wie ich zur Musik kam, warum mich Motorsport fasziniert hat, und welchen Bezug ich zu Tennis und Squash habe.