Köln – Was für ein Bundesligaspiel des 1. FC Köln: Kampf, Klasse und bittere Realität. Nach einer fantastischen Leistung verlor der 1. FC Köln gegen den FC Bayern München zwar mit 1:3 (1:1), konnte aber erhobenen Hauptes das Müngersdorfer Grün verlassen.
Wenige Sekunden waren erst gespielt, da kam der FC bereits zur ersten großen Chance. Linton Maina steckte auf den einlaufenden Said El Mala durch, der aus spitzem Winkel an Manuel Neuer scheiterte.
Der FC begann mutig und ließ hinten zunächst nur wenig zu. Die Bayern brauchten 20 Minuten, um sich das erste Mal vor dem Kölner Tor anzumelden, doch Hiroki Ito (21.), Harry Kane und Serge Gnabry (34.) scheiterten allesamt am glänzend parierenden Marvin Schwäbe. Die Bayern erhöhten den Druck und setzten sich nun in der FC-Hälfte fest.
In der 41. Minute war Maina aufmerksam und luchste Gnabry den Ball kurz vor dem Sechzehner ab. Der Linksaußen startete den Konter, dribbelte über das ganze Feld und schloss aus rund 17 Metern trocken in die linke Ecke ab. Der FC führte mit 1:0 – wie schon im Pokalspiel vor zweieinhalb Monaten.
Tief in der Nachspielzeit baute der FC weiter Druck auf, lief nach einem Abschluss von Kristoffer Lund dann aber in einen Konter. Michael Olise bediente Gnabry, der an Schwäbe vorbeizog und den Ball ins Tor hob. Mit dem 1:1 ging es wenig später in die Pause.
Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gäste mit zunehmender Spieldauer den Druck. Der FC kämpfte aufopferungsvoll und schmiss sich vor allem in Person von Tom Krauß in jeden Ball, sodass die Münchener es meist nur aus der Distanz versuchen konnten. Offensive Entlastung, wie durch einen Konter von Jakub Kaminski (56.), gab es in dieser Phase jedoch nur noch selten. Kurz danach zwang der polnische Nationalspieler Neuer aus dem Rückraum zu einer starken Parade (58.).
Ein Standard bescherte dem FCB schließlich die Führung. Luis Diaz flankte nach einer kurz ausgeführten Ecke auf den zweiten Pfosten, wo Ito auf Kim Min-Jae zurücklegte, der wiederum das 2:1 köpfte (71.). In der Schlussphase bescherte der eingewechselte Lennart Karl nach erneuter Vorarbeit von Diaz dann die Entscheidung (84.).
Heinz Flohe, der Meister der feinen Klinge, würde die Spielidee loben: Das Tempo, mit dem Linton Maina in der 41. Minute Serge Gnabry den Ball abluchste und über das ganze Feld marschierte – das war FC-DNA pur. Wolfgang Overath hätte die Ruhe am Ball geschätzt, mit der Said El Mala bereits nach wenigen Sekunden Neuer prüfte. Und Wolfgang Weber? Der würde Tom Krauß auf die Schulter klopfen, der sich in der zweiten Halbzeit in jeden Ball schmiss, als ginge es um den Klassenerhalt – was es ja letztlich auch tut.
Das Potenzial gehört als Dauerschleifenvideo in die Kabine
Wenn der FC jetzt in der Kabine drei Videosequenzen in Dauerschleife laufen lässt – die beiden Bayern-Spiele und das Leverkusen-Match –, dann folgt er damit genau dem Prinzip, das schon Hennes Weisweiler predigte: „Schaut auf euer Bestes, dann wird das Beste zur Normalität.“
Denn genau das ist der Punkt: Das individuelle Niveau einzelner Spieler ist top, der Zusammenhalt sensationell. Marvin Schwäbe hielt wie in seinen besten Tagen gegen Kane, Gnabry und Co. Linton Maina zeigte mit seinem Tor, welche Klasse in ihm steckt. Jakub Kaminski zwang Neuer zu einer Weltklasse-Parade. Diese Leistung reicht gegen HSV, Gladbach, Heidenheim, Werder oder Mainz allemal – nicht für ein Unentschieden, sondern für klare Siege!
Die Lehre für die kommenden Spiele
Wenn diese Mannschaft das Niveau der Bayern-Spiele abruft, dann reicht das individuelle Potenzial und der kollektive Wille für deutlich mehr als Platz 17. Dann sind die fehlenden Punkte zum Klassenerhalt keine Utopie, sondern eine Frage der Konstanz.
Berni Cullmann hätte nach diesem Spiel gesagt: „Mer sin widder do!“ Und genau das muss jetzt die Devise sein. Nicht nur gegen die Großen, sondern vor allem gegen die direkten Konkurrenten. Denn wie schon Toni Schumacher immer betonte: „Gegen Bayern darfst du verlieren – gegen den HSV nicht!“ Der FC hat am Samstag gezeigt, dass er kämpfen kann. Jetzt muss er zeigen, dass er auch siegen kann. Mit diesem Spirit, diesem Willen und diesem Potenzial ist der Klassenerhalt machbar.
Mer halde zesamme – und mer spelle wie jäje Bayern! Und so freue ich mich, wenn es wieder heißt: Come on Effzeh!
So standen die Teams auf dem Müngersdorfer Grün
1. FC Köln: Schwäbe – Sebulonsen, Simpson-Pusey, Özkacar – Thielmann (85. Niang), Krauß, Kaminski, Lund (78. Johannesson) – Maina (67. Schenten), Ache (78. Bülter), El Mala (78. Waldschmidt)
FC Bayern München: Neuer – Laimer, M.-J. Kim, Tah, H. Ito, Goretzka, Pavlovic, Olise, Gnabry, Luis Diaz, Kane
Tore: 1:0 Maina (41.), 1:1 Gnabry (45+5.), 1:2 Kim (71.), 1:3 Karl (84.)







































































