Naturschutz BUND stellt Waldreport 2016 in Berlin vor

6446
Waldreport 2016 BUND Auer Wald
Waldreport 2016 BUND Auer Wald

Köln – Am Freitag wurde der bundesweite Waldreport 2016 des BUND vorgestellt. Danach steht  Windeck (Oberbergisches Land)  auf der Negativliste. Der BUND übt heftige Kritik am Landesforst- und Flurbereinigungsgesetz. Danach sind waldbauliche Primitivverfahren (Kahlflächen) auf dem Vormarsch !
Der „Waldreport 2016 – Schatten und Licht“ wurde  auf einer Pressekonferenz in Berlin vorgestellt.  Zahlreiche Fallstudien zeigen hierbei, dass in der deutschen Forstwirtschaft nach wie vor erhebliche Defizite bestehen. Anhand positiver Beispiele wird belegt, dass auch im Wald im Einklang mit der Natur gewirtschaftet werden kann.
NRW ist leider nur auf der negativen Seite mit einem krassen Beispiel – aus der hiesigen Region – vertreten und kann sich dabei noch glücklich schätzen, da zahlreiche weitere Fehlentwicklungen im Lande festgestellt wurden. Diese betreffen den traditionell in NRW stark vertretenen Privatwald (67% der Waldfläche !), wo vielfach  überdimensionierter Wegebau, Kahlschläge, fortdauernder An- und Ausbau von Nadelwaldplantagen, – zunehmend mit Douglasien – zu beobachten ist.

Neben dem im Waldreport ausführlich dargestellten zerstörerischem Wegebau in Altwindeck (siehe „Schneise der Zerstörung“, S.19) hat Paul Kröfges, Sprecher der Regionalgruppe Köln des BUND,  im Umfeld seiner Heimatgemeinde Windeck acht aktuelle Kahlschläge dokumentiert, (Auer Wald , Bellinger Tal, bei Eich, 2 mal bei Rommen, 2 mal oberhalb Bettenhagen, bei Rosbach), bei denen es sich eindeutig um „waldbauliche Primitivverfahren“ (Zitat aus „Biologische Vielfalt in den Wäldern NRWs“, Landesbetrieb Wald und Holz) handelt.

Paul Kröfges vom BUND, den wir im Kölner Süden durch die jahrelange Unterstützung der Initiative „Gegen den Hafenausbau in Godorf“  gut kennen sagt dazu:

 „Es ist inakzeptabel wie hier mit dem Wald umgegangen wird. Teilweise gehen diese Kahlhiebe über die – leider erlaubten – 2 Hektar hinaus, teilweise wurde angrenzende Biotope und Bachläufe durch Einsatz schwerer Maschine erheblich geschädigt  und der bachgeleitende Bewuchs komplett  rasiert. Überall sind die umliegenden Waldwege durch Harvesterbefahrung und Holzabfuhr selbst bei Regenwetter völlig zermalmt und vorerst unbegehbar.“

Weiter weist er darauf hin, dass die kahlgeschlagenen Flächen meist komplett abgeräumt und anschließend mit Nadelbäumen in Reih und Glied aufgeforstet wurden, obwohl hier vorher teilweise schönster natürlicher Laubwald gestanden hatte. Dies widerspricht den Zielsetzungen der Biodiversitäts- und Waldstrategie des Landes nach denen der Anteil der Nadelholzbestände sukzessive verringert und „das wirtschaftliche und ökologische Risiko (Fichtenbestände) mit dem Aufbau reich strukturierter Mischwälder stärker gestreut“  werden soll. (Umweltbericht 2013).
Besonders schade ist der Verzicht auf natürliche Wiederbewaldung (Sukzession), die eigentlich kostengünstiger wäre und zu stabilen, natürlichen Waldbeständen führt. So geht in der Fläche NRWs zunehmend die strukturelle Vielfalt im Wald verloren, entgegen dem erklärten politischen Willen diese zu verbessern. Diese fatale Entwicklung verschlechtert die Lebensbedingungen zahlreicher waldgebundener Tiere, wie Grauspecht, Schwarzstorch , Wildkatze und Käferarten wie dem Eremiten, die auf alte Bäume und strukturelle Vielfalt angewiesen sind.

Der BUND hat den Eindruck, dass im Privatwald in NRW so etwas wie Goldgräberstimmung herrscht. 
Die zunehmende Erschließung des riesigen, aber oft kleinteilig parzellierten Privatwaldes mit überbreiten Wegen  verführt offenkundig immer mehr Besitzer dazu, mal eben schnell Kasse zu machen und ihren Wald nahezu komplett niederzumachen – zumindest legen das die Windecker Beispiele nahe.

Offensichtlich ist auch der Landesbetrieb Wald und Holz mit der hoheitlichen Aufgabe überfordert, hier für die Einhaltung der Prinzipien einer naturnahen Waldwirtschaft zu sorgen.

Für den BUND ist das eine unheilvolle Entwicklung, der es gegenzusteuern gilt.

Umweltminister Johannes Remmel (GRÜNE) wird aufgefordert, Qualitätsvorgaben für den Privatwald durchzusetzen, z.B. über eine Novellierung des Landesforstgesetzes. Insbesondere muss die Maximalfläche für Kahlhiebe reduziert, ein Verbot der Umwandlung von Laub- und Mischwald in Nadelholzmonokulturen und mehr natürliche Sukzession durchgesetzt werden. Dies muss begleitet werden durch die konsequente Anwendung von Förderrichtlinien, indem nur bei Beachtung und Umsetzung strenger Biodiversitätsstandards einer möglichst naturnahen Waldwirtschaft Fördergelder gezahlt werden.

Mit Blick auf den verheerenden Waldwegebau in Altwindeck („Schneise der Zerstörung“) fordert der BUND NRW darüber hinaus eine dringende Änderung des Flurbereinigungsgesetzes mit seiner überstarken Eigentümerorientierung und undemokratischen Struktur.
Hier muss eine Verpflichtung vorgesehen werden, dass beim Wegebau Naturschutz und natürliche Waldstrukturen Vorrang haben und verträgliche Alternativen zu prüfen und abzuwägen sind. Außerdem ist eine möglichst frühzeitige Information und Mitwirkung der betroffenen Bürgerinnen und Bürger vorzusehen – und es nicht, wie im Falle Altwindeck über 8 Jahre dauert, bis die Öffentlichkeit erfährt, was sich Flurbereinigungsvorstand und Beamte so ausgedacht haben. Nach Einschätzung des BUND wäre der zerstörerische Altwindecker Wegebau zugunsten einzelner Waldbesitzer niemals erfolgt, wenn es ein demokratisches Verfahren vor Ort gegeben hätte.

www.bund-rsk.de
www.bund-nrw.de
www.naturschutztageamrhein.de

Vorheriger ArtikelCDU CSU begrüßt Kompromiss zu Kindergeld für EU-Ausländer
Nächster ArtikelDschungelkönig Menderes veröffentlicht Single „Mittendrin“
Jazzie ist mein Nickname als Schlagzeuger und Jazzmusiker. Das Colozine Köln News Magazin ist mein Blog. Beruflich bin ich Inhaber einer Internetagentur in Köln und Ostfriesland. Hier fröne ich meinen Hobbys. Ich liebe Smooth Jazz und die USA Jazz Musik Szene. Als Main Stream Jazz Fan sehe ich Harmonie, nicht nur in der Musik, als unser aller höchstes Gut an. Jazz-, Pop-, Hardrock- und Bluesmusik hat die Welt verändert und ist für mich unverzichtbar. Grund genug durch die Welt zu surfen und Ausschau nach guten Music Acts und Musikern zu halten. Ich bin Fan des ersten Fußballclub Köln. Weitere Faibles gelten dem Motorsport,Tennis,Squash und Motorrad fahren. Ich bin Honda Freak und lasse mir gerne den Wind um die Nase wehen. Neben Köln, zieht es mich nach Ostfriesland. Denn dort ist das Meer und ein 243 Jahre altes Haus :-) Bei Fragen oder Fehlangaben auf den Colozine Köln News Seiten hier die Kontaktmöglichkeit Jazzie (Reinhold Packeisen) Oder Mail an info@koeln-news.com :-) Tel.+49 2236 7025094