VOLKAN BAYDAR- Feuerwerk der Soultöne

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Düsseldorf-VOLKAN BAYDAR Feuerwerk der Soultöne. Das LIVEKONZERT IN DEN RUDAS STUDIOS vom 13. April 2010.
Letzten Dienstag stand Volkan Baydar innerhalb der Eventreihe der RUDAS STUDIOS „afterwork“ mit der Band „Fresh Music Live“ auf der dortigen Bühne. Das beeindruckende technische Equipment des geräumigen und mondän-coolen Clubs lies einen fulminanten Sound erwarten.

Bevor ich meine Eindrücke zu diesem Konzert von Volkan Baydar zusammenfasse, möchte ich zunächst an den letzten Satz meiner Konzertbesprechung zu Volkans Auftritt im Essener Stadtgarten (Goove Night, August 2009) erinnern. Ich schrieb damals: „Für mich ist er Deutschlands erster wirklicher Soulsänger,- oder der Soulsänger Nr.1 aus deutschen Lande – wie man will.“

Das waren relativ gewichtige Worte, vielleicht noch getragen von „Resteuphorie“ – ein paar Tage nach einem Konzert, in dem ich Volkan zum ersten Male „live“ erlebte. Wenn ich jetzt schreibe, dass dieses Urteil in noch größerem Masse zutrifft, als ich damals ahnen konnte, dann hat das weniger mit Euphorie zu tun, sondern schlicht mit einer unglaublich guten und leidenschaftlichen Performance von Volkan Baydar.

In zwei Blöcken sang er circa 15, teilweise recht lange Songs, in denen er sein atemberaubendes „Soul-Talent“ akustisch und auch körperlich unter Beweis stellte. Etwas anders als im Essener Konzert, bei dem er einiges an Jazz einfließen lies, war sein Programm in den RUDAS STUDIOS absolut auf Rhythm & Blues und viel, viel, Soul konzentriert.

Und Volkan brachte Soul in der härtesten Gangart! Nichts im Sound und seinem Gesang war hochglanzpoliert, mainstreamtauglich und auch nicht die Spur „schmusig“ in der einzigen, selbst komponierten Ballade des Abends : „Child Inside“. Wunderschön !

Die Band „Fresh Music Live“ begleitete knallhart und hervorragend ! Volkans Stimme klang rauh, ungebändigt, authentisch und immer traumhaft sicher in der Intonation! Intuitiv erfasste sein Singen das typische Idiom des Soulgesangs! Da waren immer wieder die guturalen, bis in Quietschhöhe ausbrechenden Schreie, die er häufig mit einem Sprung in die Luft heraus zu schleudern schien. Wenn sein Name den charismatischen Klang eines James Brown hätte, das Publikum hätte Volkan sofort die volle Aufmerksamkeit geschenkt und sicher vor Begeisterung die Halle abgerissen.

Aber das Düsseldorfer Publikum brauchte eine Weile, bis es die außerordentliche Qualität seiner Vorstellung erkannte. Viele Gäste kommen jeden Dienstag zu diesen afterwork-Events und während der ersten Songs treffen immer noch Gäste ein „“ es wird noch viel geredet- von Konzentration auf die Live-Performance konnte erstmal leider keine Rede sein. Laute Musik, ob aus den Boxen oder „Live“ ist sowieso allgegenwärtig…man kennt das und achtet nicht immer darauf, wer gerade auf der Bühne steht.

Aber Volkan „kriegte“ sie schon gegen Ende des ersten Blocks, vor der Pause. Ein Welthit wie Wonder’s „Superstition“ zeigte nun doch das atemberaubende Kaliber des Volkan Baydar und lies auch musikübersättigte und nur oberflächlich hinhörende Gäste aufhorchen. Die Energie, mit der Volkan sich einen Song vornimmt, kann niemanden unbeteiligt lassen.

Volkans Songauswahl an diesem Abend beinhaltete auch viele neue und eigene Songs. Der Leadsänger der erfolgreichen Pop-Formation „ORANGE BLUE“ beabsichtigt, demnächst ein Soloalbum zu veröffentlichen, bei dem der Soul absolut Vorrang hat. Gleich der erste Song „Beautiful Day“ war eine gute Kostprobe darauf. Diese Komposition ist sehr melodiös, dabei aber mit tollem, tanzbarem Groove versehen „“ und total soulig im Vortrag. Die Live- Instrumentierung zum Song schien mir gelungener als die Version, die man sich auf der internetseite :http://www.volkan-baydar.de/volkans-termine/index.php, anhören kann. Das klang jetzt doch wesentlich fetter und funkiger!

Jeder Song danach war eigentlich eine fortwährende Steigerung. Er bringt faszinierenden Falsettgesang wie Marvin Gaye es nicht besser könnte. Er investiert in sein Singen soviel Leidenschaft – man hat das Gefühl, Volkan will, dass jede seiner Noten ein eigenes Highlight für sich ist! Es ist klar, dass ein Sänger, der solche Töne hervorbringt, der seinen Stimmbändern unglaubliches abverlangt, nicht stocksteif vor seinem Mikro stehen bleibt.

So ist die Intensität seines Singens immer auch mit seinem Körper verbunden. Er dreht, springt und windet sich. Seine tänzerischen Bewegungen sind ebenfalls überzeugender Ausdruck einer hohen Musikalität. Wenn er spontan von der Bühne ins Publikum springt, will er seine Verbundenheit mit dem Publikum unterstreichen und keinesfalls eine bloße „Show“ machen.

In diesem Zusammenhang sollte man vielleicht erwähnen, dass Volkan in New York die „Method Acting nach Strasbeg“ studierte. Das ist eine US-amerikanische Variante des Naturalismus im Schauspiel ( dazu auch Wikipedia: „Um zu verhindern, dass Gesang und Tanz zu äußerlichen Routinehandlungen wurden, zerhackte er (Strasberg) die musikalischen und tänzerischen Abläufe, bis der Darsteller völlig auf sich selbst zurückgeworfen war. Dies nannte er Song-and-dance exercise“ ).

Das Resultat dieses Studiums kann man sehr gut an Volkans Performance beobachten. Er ist wirklich „völlig auf sich zurückgeworfen“. Seine emotionalen Ausbrüche im Gesang ( sowie seines Körpers) wirken echt und lassen keine Routine sondern Naturtalent, und höchstens die Professionalität erkennen, die er durch jahrelange Performances erreicht hat.

Tatsächlich sehe ich in Volkans Temperament auch eine gewisse kindliche Unschuld. So wie es Kindern eigen sein kann, hat sich Volkan Ursprünglichkeit und Unbekümmertheit bewahrt, die sich auch humorvoll in schalkhaften Gebärden und Blicken während seiner Performance ausdrückt. Was er macht, das macht er JETZT, spontan in DIESEM Moment und völlig unkalkuliert. Deshalb ist er so authentisch.

Dazu passt dann auch seine Bescheidenheit. In der Pause sagte ich zu Volkan, ich fände es etwas schade, dass man seinen Auftritt dem Publikum nicht angemessen und informativ vorgestellt hätte.

So in der Art: „Wir sind stolz, Ihnen heute Volkan Baydar – den Leadsänger von Orange Blue – zu präsentieren. „Orange Blue“ haben seit ihrem ersten Album bereits über 1 Millionen Tonträger verkauft. Volkan Baydar wird heute viele Songs seiner bereits produzierten Solo-CD vorstellen! Freuen sie sich auf einen großen Soulsänger!“

Darauf meinte Volkan zu mir: „So etwas ist mir nicht wichtig!“

Nach der Pause entfachte Volkan ein wahres Feuerwerk an Soultönen ! Das war nur noch umwerfend guter Soul in Reinkultur. „Soul Initiation“, Song und Titel seiner Solo-CD groovte und funkte! Der fantastische Sound in den RUDAS STUDIOS sorgte dafür, dass auch das Bauchfell tanzte! Wenn es eine „Einweihung“ in den Soul geben kann, dann war dies eine 100% wirkungsvolle und mitreißende! Bei Stevie Wonders „Living in the City“ oder Michael Jacksons „Man In The Mirror“ wogte und tanzte die Masse von ca. 800 Besuchern. Es hatte etwas gedauert, aber nun wusste wohl jeder Anwesende diesen großartigen, kraftvollen Aufritt von Volkan zu schätzen.

Folgendes habe ich bei Wikipedia unter Stichwort „Soul“ gefunden, was nach meinem Empfinden auch mehr oder weniger auf Volkan und seine offensichtliche Begabung für den klassischen Soulgesang zutreffen könnte:

„Seit Beginn des neuen Jahrtausends kann man auch in Deutschland von einer eigenständigen Soul-Szene sprechen. Oft sind die Acts aus der seit Anfang der Neunziger recht regen Hip-Hop-Szene hervorgegangen. Ein schwarzer oder zumindest migrantischer Hintergrund sorgt bei vielen Künstlern des deutschen Soul für zusätzliche Authentizität“

Auch wenn Volkan Baydar’s Musik im Moment noch keine umwälzenden stilistischen Erneuerungen eines Soul-Stils zeigen, so habe ich keinen Zweifel daran, dass er definitiv Deutschlands bester und einzig wahrer Soulsänger in der Tradition der großen Soulkünstler der 60er, 70er oder 80er Jahre ist.

Ich hoffe sein künftiges Soloalbum wird dementsprechend viele Musikliebhaber dieser Richtung überzeugen.

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Die JAZZ CD/DVD- und Konzert Rezensionen von Werner Matrisch sind ein besonderes schöne Rubrik. Jazzie traf den Kölner Maler und Künstler Werner Matrisch "Homepage WernerMatrisch" bei einer Vernissage. Wir kamen ins Gespräch und entdeckten, das wir nicht nur eine gemeinsame Leidenschaft, die Malerei haben, sondern auch dem Jazz sehr zugetan sind.