JoshGroban – STAGES Akademisch & uninspiriert Sein bisher langweiligstes Album!

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JoshGroban-Stages
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Köln- Pressetext und Josh Grobans eigene Aussagen zu seinem aktuellen Album „Stages“ mögen sich für viele Hörer und Groban-Fans, die lediglich auf schöne Songs, gute Stimmen und große Orchester setzen, in diesen neu interpretierten Musicalsongs wiederfinden. Aus vielerlei Gründen bin ich von diesem Album enttäuscht. Ich besitze und mag mehr oder weniger alle bisherigen Groban CDs – (am besten ist „Awake“, aber auch das ruhige Album „Illuminations“ ist einzigartig schön.)

Ich liebe all diese großen Musical-Songs, insofern habe ich mich auf „Stages“ gefreut – um jetzt nach mehrmaligem Anhören – auch intensiv über Kopfhörer festzustellen, dass „Stages“ das überproduzierteste und zugleich langweiligste Album seiner gesamten Karriere ist . Warum?
Ich kann mich schwer entscheiden, was unbefriedigender ist: Sind es die schwerfällig-altmodischen natürlich über-üppigen Arrangements, die Song für Song nach gleichem Strickmuster klingen, oder ist es doch in erster Linie Grobans Gesang? Denn auf „Stages“ singt er jeden Song so, als ob sein Gesangslehrer im Hintergrund steht, und ihm Anleitungen gibt. Sein Gesang wirkt, als wolle er mit jeder Note seine ausgebildete Stimme demonstrieren.
In seinem Vortrag vermisse ich echtes Gefühl und überhaupt Sensibilität für Melodie und Text. Es ist ihm wichtiger, jede einzelne Note mit einem auffälligen Vibrato auszufüllen. Letztendlich ist das „ausgestellter Gesang“, und keine authentische, oder mindestens adäquate Interpretation guter Songs. Hier nähert sich Josh Groban leider dem Stil der schrecklichen „Il Divo“ Tenöre, die mit zwar gutem Stimmmaterial aber stetigem Vibrato und protzigem Pathos jedes Musikstück geradezu erschlagen.

Genau das passiert Groban mit seiner Version von „Over The Rainbow“, die zu den missglücktesten Versionen überhaupt gehört. Hier klingt er tatsächlich wie ein „Zitteraal: sein durchgehendes Vibrato aller hohen, mittleren, sogar tiefsten Noten ist derart aufgesetzt, deplaziert und penetrant, dass man fast glauben möchte, man hört eine Parodie dieses wunderbaren Songs!

Andere Songs, zwar weniger schlimm – gelingen ihm auch nicht. Was nutzt es, wenn er sein reiches Stimmpotenzial nur glatt, profillos und akademisch einsetzt? So intoniert er Note für Note korrekt, und perfekt – mechanisch wie eine Stimmen-Maschine, jedoch ohne die geringste Abweichung oder interessante Phrasierung – und das ist schlicht langweilig, und natürlich auch emotionslos.

Sein Gesangsstil ist angepasst an die uninspirierten Arrangements – und bleibt so leider das Gegenteil von Frische, Spontanität oder musikalischen Einfallsreichtum. In den Fünfzigern und Sechzigern wurden schon modernere Arrangements für Broadway-Songs geschrieben, als hier auf „Stages“. Gerade habe ich von Johnny Mathis „The Rhythms & Ballads of Broadway“ (1960 produziert) erhalten. Viel lebendiger als Grobans träges „Stages“!

Auch das sehr erfolgreiche, grammyprämierte, man kann durchaus sagen – schon „legendäre“ Broadway-Album der Streisand – war bereits 1985 viel moderner, ja innovativer produziert als „Stages“ 2015! (wenn auch der Synthesizer – typisch für die Achtziger – in einigen Songs zum Einsatz kommt.)

Die zwei Duette “ If I Loved You“, „All I Ask Of You“ und der Song „Old Devil Moon“, klingen wie aus einem Radio-Operetten-Progamm der Fünfziger Jahre. Die meist sehr süßlichen Songs von Andrew Lloyd Webber sollten besonders behutsam inszeniert werden, sonst erhöht sich das unleugbare Kitschpotenzial ins Unerträgliche. „All I Ask Of You“ und aber auch „If I Loved“You wurden in diesen Versionen zu Kitsch in Reinkultur.

Einzige moderate Lichtblicke des Albums sind: „Le Temps Des Cathedrales“, das „Sondheim-Medley“ und das im Arrangement und Gesang schlichter gehaltene „Try To Remember“.

Josh Groban hatte auf seinem großartigen Album „Awake“ (2006) neben viel besser arrangierten und durchaus auch „arienähnlich und vibratoreduziert“ gesungenen Songs sogar mit Herbie Hancock, Vusi Mahlasela oder Lady Smith Black Mambazo – der A-Cappella Gruppe aus Südafrika – gearbeitet. Seine Alben danach waren alles solide Werke, zwar immer wieder mit einigen echten Highlights – blieben aber hinter der kreativen Qualität von „Awake“ zurück. So ist er musikalisch immer weiter rückwärts gerudert, und „Stages“ ist der vorläufige, wenig lobenswerte Höhepunkt dieser eingeschlagenen, gestrigen Richtung.

Selbstverständlich habe ich zur Kenntnis genommen, dass das Album überaus positiv bei den Fans aufgenommen wird, dass der Einstieg in die Billbaord-Charts auf Platz 2 ein großer kommerzieller Erfolg ist. Jedoch auf „Stages“ vermag er mich kaum zu fesseln, seine Interpretationen großer Broadway-Songs entbehren vollständig irgendeiner Virtuosität und verstimmen mich zusätzlich mit seinem aufdringlichen Vibrato.
Bei Musical & Broadwaysongs erwartet man nicht unbedingt innovative Strukturen, Experimentierwut oder große künstlerische „Umformungen“ – aber mit „Stages“ ist Josh Groban auf der streng konservativen, komplett harmlosen Geschmacksebene eines Paul Potts oder einer Susan Boyle gelandet. Das kann und sollte einem so talentierten Sänger und Künstler wie Josh Groban künstlerisch nicht genügen.
© Werner Matrisch, Köln 10. Mai 2015

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